Zufallsblick liefert überraschende Erkenntnisse über Nova-Explosion

Eigentlich sollte es nur ein Test der zu einem Interferometer zusammengeschalteten Keck-Teleskope sein. Doch dann kam es auf dem 5000 Lichtjahre entfernten Stern RS Ophiuchi zu einer Nova-Explosion.

RS Ophiuchi
RS Ophiuchi

Kamuela (USA) - Die Astronomen am Keck Observatory auf Hawaii nutzten die günstige Gelegenheit, um den Vorgang mit höchster Auflösung zu studieren. Die Ergebnisse werfen einige der bisherigen Annahmen über Nova-Explosionen über den Haufen, schreiben die Forscher in einem demnächst im Fachblatt "Astrophysical Journal" erscheinenden Aufsatz. So scheint die Explosion Staub in der Sternumgebung zu zerstören und nicht, wie zuvor vermutet, zu erzeugen.

"Wir waren gerade bereit für eine routinemäßige Testbeobachtung, als plötzlich die Nova ausbrach", erinnert sich Marc Kuchner vom Goddard Space Flight Center der Nasa, einer der beteiligten Astronomen. Die Keck-Sternwarte besteht aus zwei Teleskopen mit jeweils zehn Meter großen Spiegeln. Die beiden Geräte lassen sich zu einem so genannten Null-Interferometer zusammenschalten. Dabei wird das von den beiden Teleskopen empfangene Licht eines Sterns gerade so überlagert, dass es sich gegenseitig auslöscht. So können die Forscher lichtschwache Einzelheiten in der Umgebung des hell strahlenden Sterns sichtbar machen.

RS Ophiuchi ist eine wiederkehrende Nova, ein aus einem roten Riesenstern und einem weißen Zwergstern bestehendes System. Der Riesenstern gibt ständig Gas an seine Umgebung ab, einen Teil davon nimmt der Zwergstern auf. Dadurch wächst die Masse des Weißen Zwergs langsam an, bis es schließlich auf seiner Oberfläche zu einer thermonuklearen Explosion kommt -- einem Nova-Ausbruch. Der erste Ausbruch von RS Ophiuchi wurde bereits 1898 beobachtet.

Die Beobachtungen mit dem Keck-Interferometer zeigen nun, dass es in der unmittelbaren Umgebung der Nova keinen Staub gibt. "Das widerspricht vollständig unseren Erwartungen", so Richard Barry, der ebenfalls am Goddard Space Flight Center der Nasa tätige Leiter des Forscherteams, "wir haben bislang gedacht, Nova-Explosionen erzeugen Staub." Tatsächlich konnten die Astronomen in größerer Entfernung von dem Stern Staub aufspüren, aber dieser muss bereits aus der Zeit vor dem Ausbruch stammen. Die Forscher gehen nun davon aus, dass der Staub in Dichtewellen produziert wird, die durch die Bewegung des Weißen Zwergs durch das vom roten Riesenstern ausgestoßene Gas hindurch erzeugt werden.