Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße ist ein schlafender Gigant

Vor 300 Jahren ist es im Zentrum unserer Milchstraße zu einem gewaltigen Strahlungsausbruch gekommen

Zentrum der Milchstraße
Zentrum der Milchstraße

Tokyo (Japan) - Beobachtungen mit mehreren Röntgensatelliten zeigen, wie eine Gaswolke in der Nähe des Zentrums unserer Milchstraße durch einen gigantischen Ausbruch aufleuchtet. Das Schwarze Loch im Milchstraßenzentrum ist damals millionenfach aktiver gewesen als heute, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Publications of the Astronomical Society of Japan".

"Wir haben uns bislang immer gefragt, warum das Schwarze Loch der Milchstraße ein schlafender Gigant ist", erklärt Tatsuya Inui von der Universität Kyoto, der die Beobachtungen leitete. "Doch nun wissen wir, dass das Schwarze Loch in der Vergangenheit aktiver war als heute -- es erholt sich derzeit nur von einem großen Ausbruch."

Das Schwarze Loch im galaktischen Zentrum besitzt die viermillionenfache Masse der Sonne -- doch die von ihm ausgehende Strahlung ist millionenfach schwächer als bei vergleichbaren Schwarzen Löchern in anderen Galaxien. Die Beobachtungen mit den japanischen Satelliten Suzaku und Asca, sowie dem amerikanischen Chandra X-ray Observatory und dem europäischen Röntgensatelliten XMM-Newton zeigen nun, dass das nicht immer so war.

Die Messungen aus den Jahren 1995 bis 2005 zeigen, wie die Wolke Sagittarius B2 im Röntgenlicht aufleuchtet. Da die Wolke 300 Lichtjahre vom Zentrum der Milchstraße entfernt ist, muss der Strahlungsausbruch dort entsprechend 300 Jahre früher stattgefunden haben. "Aus dem Verlauf der Helligkeit der Gaswolke können wir rekonstruieren, wie die Aktivität des Schwarzen Lochs verlaufen ist", so Katsuji Koyama von der Universität Kyoto, ein weiteres Mitglied des Teams.

Das galaktische Zentrum ist 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Astronomen sehen entsprechend heute die Ereignisse, die vor 26.000 Jahren im Milchstraßenzentrum stattfanden. Warum die Aktivität des Schwarzen Lochs so stark variiert, ist bislang unklar. Möglicherweise hat die Explosion eines Sterns dem Schwarzen Loch Gas zugeführt und so den Ausbruch verursacht, spekulieren die Forscher.