Rote Spiralen erweitern galaktischen Zoo

Hobbyforscher helfen Astronomen bei der Klassifikation von Galaxien - und entdecken eine neue Art von Sternsystemen

Spiralgalaxien
Spiralgalaxien

Nottingham (Großbritannien) - Auf eine neue Art von Spiralgalaxien sind die Astronomen im Rahmen einer umfangreichen Durchmusterung von Galaxienbildern gestoßen. Im Gegensatz zu normalen Spiralgalaxien zeigen die neuen Systeme eine rötliche Farbe - ein Zeichen dafür, dass dort kaum noch neue Sterne entstehen. Die Forscher sehen in den roten Spiralen ein bislang vermisstes Bindeglied zwischen Spiralgalaxien und Elliptischen Galaxien.

Beim Projekt "Galaxy Zoo" helfen Hunderttausende von Freiwilligen via Internet dabei, das Aussehen von Millionen von Galaxien zu klassifizieren. Die Galaxienbilder stammen aus dem Sloan Digital Sky Survey, der bislang umfangreichsten Durchmusterung des Himmels nach Sternsystemen. Die Wissenschaftler nutzen bei "Galaxy Zoo" die erstaunliche Fähigkeit des menschlichen Gehirns, Muster zu erkennen, die bislang jeder automatischen Software überlegen ist. Es gibt jedoch auf der ganzen Welt nicht genügend Astronomen, um alle Galaxienbilder in Augenschein zu nehmen - deshalb greifen die Forscher auf die Hilfe von Laien zurück.

Bei den meisten Galaxien handelt es sich entweder um Spiralgalaxien wie unsere Milchstraße, in denen ständig viele neue Sterne entstehen und die deshalb bläulich leuchten, oder um Elliptische Galaxien, in denen die Entstehung neuer Sterne fast vollständig zum Erliegen gekommen ist und die deshalb rötlich strahlen. Beim "Galaxy Zoo"-Projekt wurden nun jedoch viele rote Galaxien entdeckt, die nicht elliptisch sind, sondern deutlich ausgeprägte Spiralarme zeigen.

"Es muss einen Grund dafür geben, dass in diesen Spiralgalaxien die Sternentstehung aufgehört hat - aber die Ursache muss so moderat sein, dass sie die Spiralarme der Galaxien nicht zerstört", erklärt Steven Bamford von der University of Nottingham, der das Projekt "Galaxy Zoo" leitet. Detaillierte Beobachtungen ausgewählter Himmelsregionen mit dem Infrarot-Weltraumteleskop Spitzer liefern eine mögliche Erklärung: Die Sternenstehungsrate in den roten Spiralen ist umso geringer, je weiter im Inneren eines Galaxienhaufens die Systeme sich befinden. Offenbar führt die Wechselwirkung mit ihrer Umgebung zu einer Verlangsamung der Sternentstehung, möglicherweise, weil sie den Galaxien Gas, also den Rohstoff für die Produktion neuer Sterne, entreißt.