Röntgenblitz durchleuchtet Galaxie

Deutsche Astrophysiker finden Hinweise darauf, wie ein Schwarzes Loch einen Stern zerriss

Schwarzes Lock zerreißt Stern
Schwarzes Lock zerreißt Stern

Garching - Das Lichtecho eines Röntgenblitzes bietet den Astronomen die seltene Gelegenheit, Einzelheiten im Kern einer weit entfernten Galaxie zu erkennen. Das zentrale Schwarze Loch der Galaxie hat offenbar einen Stern zerrissen und so den Röntgenausbruch ausgelöst, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters". Trifft die Röntgenstrahlung auf Gas, so regt sie dieses zum Leuchten an, und dieses Lichtecho liefert den Forschern Informationen über die Umgebung des Schwarzen Lochs.

"Den Kern einer Galaxie zu studieren ist so, als würde man die New Yorker Skyline bei Nacht während eines Stromausfalls betrachten: Dabei erfährt man nicht viel über die Gebäude, Straßen und Parks der Stadt", erläutert Stefanie Komossa vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, die das Team leitet. "Die Situation verändert sich etwa während eines Feuerwerks. Genauso ist es, wenn ein plötzlich aufflammender Blitz hochenergetischer Strahlung eine Galaxie für einen kurzen Moment erhellt."

Die Galaxie mit dem Katalognamen SDSSJ0952+2143 ist etwa eine Milliarde Lichtjahre entfernt und besitzt in ihrem Zentrum ein Schwarzes Loch mit der siebenmillionenfachen Masse der Sonne. Das Objekt erregte die Aufmerksamkeit von Komossa und ihren Kollegen, weil es in seinem Spektrum besonders starke und zeitlich veränderliche Linien aufweist -- eben das Lichtecho des Röntgenausbruchs.

Außerdem fanden die Forscher im Spektrum der Galaxie Hinweise auf Aktivitäten in der Materiescheibe um das Schwarze Loch, die hauptsächlich aus Wasserstoff besteht. "Höchstwahrscheinlich sehen wir hier Trümmer des zerrissenen Sterns, die kurz davor sind, von dem Schwarzen Loch verschluckt zu werden", erklärt Teammitglied Hongyan Zhou.