Naher Verwandter einer Aminosäure im All entdeckt

Forscher des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie spüren Aminoacetonitril in einer Gaswolke auf.

Aminoacetonitril
Aminoacetonitril

Bonn - Mit einer 30-Meter-Antenne in der spanischen Sierra Nevada und zwei Radioteleskop-Netzwerken in Frankreich und Australien konnte ein internationales Astronomenteam erstmals den nahen Verwandten einer Aminosäure im Weltraum aufgespüren: Aminoacetonitril. Das organische Molekül fanden die Forscher des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Zusammenarbeit mit Astronomen aus Australien und den USA in einer gigantischen Gaswolke nahe dem galaktischen Zentrum im Sternbild Schütze. Über die Entdeckung in dem heißen Gasklumpen berichtet das Team demnächst im Fachblatt "Astronomy and Astrophysics".

"Die Entdeckung von Aminoacetonitril hat unser Verständnis der chemischen Vorgänge in dichten, heißen Sternentstehungsgebieten deutlich erweitert", erklärt Karl Menten vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie, einer der an den Beobachtungen beteiligten Forscher. "Ich denke, wir werden in Zukunft viele weitere, noch komplexere organische Moleküle im interstellaren Gas nachweisen können."

Seit 1965 wurden mehr als 140 verschiedene Moleküle im Weltall identifiziert. Ein Großteil davon ist organisch, das heißt, auf Kohlenstoffbasis aufgebaut. Besonders spektakulär waren beispielsweise die Entdeckung von Ethylglykol - das auf der Erde als Frostschutzmittel Verwendung findet - oder von Glykolaldehyd, einem einfachen Zucker. Während Wissenschaftler in Meteoriten sogar eine ganze Reihe von Aminosäuren - sogar die in der DNA vorkommenden Adenin und Guanin - nachweisen konnten, ist die Existenz von Aminosäuren in kosmischen Gaswolken noch umstritten. Zwar verkündete ein amerikanisch-chinesisches Team im Jahr 2002 den Nachweis von Glycin in einer Sternenstehungsregion. Doch anderen Astronomen gelang es bislang nicht, diese Entdeckung zu bestätigen.

Angesichts dieser Schwierigkeiten konzentrierten sich Menten und seine Kollegen auf Aminoacetonitril, einen chemischen Verwandten und möglichen direkten Vorläufer von Glycin. Fündig wurden die Astronomen in einem dichten, heißen Gasklumpen innerhalb des Sternentstehungsgebiets Sagittarius B2. In dieser von den Astronomen auch "Heimat der großen Moleküle" genannten Gaswolke von gerade einmal 0,3 Lichtjahren Durchmesser, die von einem tief im Inneren verborgenen jungen Stern aufgeheizt wird, fanden sich die meisten der bisher im Weltraum nachgewiesenen organischen Moleküle - darunter so komplexe Verbindungen wie Äthylalkohol, Formaldehyd, Ameisensäure, Essigsäure, Glykolaldehyd und Äthylenglykol.