Milchstraße: Gaswolke auf Kollisionskurs

Eine riesige Wolke aus Wasserstoff rast mit einer Geschwindigkeit von über 250 Kilometern pro Sekunde auf die Milchstraße zu. Die Kollision der Wolke mit dem galaktischen Gas könnte in rund 40 Millionen Jahren geradezu explosionsartig zur Entstehung vieler neuer Sterne führen.

Eine Gaswolke rast auf die Milchstraße zu
Eine Gaswolke rast auf die Milchstraße zu

Austin (USA) - Ein Team amerikanischer Astronomen präsentierte auf einer Fachtagung in Austin, Texas, eine detaillierte Untersuchung der Bewegung der Gaswolke.

"Die vordere Kante der Gaswolke ist bereits auf das Gas der Milchstraße getroffen und schiebt es vor sich her", erklärt Felix Lockman vom National Radio Astronomy Observatory, der die Beobachtungen leitete. Die Wolke wurde schon 1963 von dem niederländischen Astronomen Gail Smith entdeckt und nach ihm benannt. Sie ist 11.000 Lichtjahre lang, 2500 Lichtjahre breit und enthält eine Masse, aus der eine Million neuer Sterne entstehen könnte.

Jahrzehntelang blieb unklar, ob die Smith-Wolke Teil unserer Milchstraße ist, von ihr weg oder auf sie zu fliegt. Lockman und sein Team haben nun mit dem Green Bank Telescope, dem größten frei beweglichen Radioteleskop der Welt, die Wolke noch einmal genau vermessen. Die über 40.000 Messungen zeigen, dass die Smith-Wolke etwa 8000 Lichtjahre von der Scheibe der Milchstraße entfernt ist und sich mit hoher Geschwindigkeit auf sie zu bewegt.

"Vermutlich handelt es sich bei der Wolke um einen Überrest aus der Entstehungszeit der Milchstraße -- oder um Gas, das bei einem nahen Vorübergang einer Nachbargalaxie entrissen wurde", so Lockman. Die Wolke trifft auf eine Region, die weit von unserem Sonnensystem entfernt ist. Dort wird es dann zu einem gewaltigen stellaren Feuerwerk kommen. "Viele der neu entstehenden Sterne sind massereich und damit kurzlebig", erklärt Lockman, "deshalb explodieren sie schon nach kurzer Zeit wieder als Supernova."