Jünglinge am Rand des Sonnensystems

Eine Familie aus eisigen Himmelskörpern mit seltsamen Eigenschaften am Rand des Sonnensystems gibt den Astronomen Rätsel auf.

New Haven (USA) - Eine Gruppe von Objekten am Rande des Sonnensystems ist jünger als 100 Millionen Jahre, sagen die Beobachtungen -- sie sind vor einer Milliarde Jahre durch einen Zusammenstoß entstanden, sagen die Berechnungen. Ein Team amerikanischer Forscher präsentiert in einer Online-Veröffentlichung jetzt neue Beobachtungsdaten über die seltsamen Objekte im so genannten Kuiper-Gürtel jenseits des Planeten Neptun, die das Rätsel noch größer machen.

"Unsere Daten zeigen, dass es auf der Oberfläche der Himmelskörper frisches Eis gibt, das nicht älter als 100 Millionen Jahre ist", schreiben David Rabinowitz von der Yale University und seine Kollegen. Denn die rauen Bedingungen des Weltalls -- ultraviolette Strahlung und hochenergetische Teilchen -- führen im Verlauf von Jahrmillionen zu einer langsamen Verdunklung von vereisten Oberflächen. Zwar gibt es eine Reihe möglicher Prozesse, die zu einer "Auffrischung" führen können. Doch Rabinowitz und seine Kollegen haben alle diese Prozesse analysiert, aber "keiner von ihnen ist plausibel".

Das erste Objekt der Jünglings-Familie mit der Katalogbezeichnung 2003 EL61 wurde bereits 2005 aufgespürt. Es ist etwa so groß wie der Zwergplanet Pluto. Im vergangenen Jahr fanden die Astronomen fünf kleinere Himmelskörper auf ähnlichen Umlaufbahnen wie 2003 EL61. Berechnungen zeigten, dass die Familie vermutlich durch die Kollision zweier Himmelskörper vor rund einer Milliarde Jahre entstanden ist.

Während bei größeren Himmelskörpern wie Pluto oder auch 2003 EL61 jahreszeitliche Variationen zum Verdampfen und Wiederausfrieren von Gasen und damit zur Bildung von jungem Eis auf der Oberfläche führen können, kommt ein solcher Prozess für die kleineren Körper der 2003 EL61-Familie nicht infrage: Ihre Schwerkraft würde nicht ausreichen, eine dünne Atmosphäre festzuhalten. Eine mögliche Erklärung für das jugendliche Aussehen der Objekte wäre, dass die Kollision, bei der sie entstanden sind, erst wenige Millionen Jahre her ist. Doch das halten Rabinowitz und seine Kollegen aus statistischen Gründen für unwahrscheinlich. "Es ist also weiterhin unklar, welcher Prozess zu einer Auffrischung der Oberflächen dieser Objekte geführt hat", so die Forscher.