Forscherstreit um kleinsten Exoplaneten

Besitzt der 30 Lichtjahre entfernte Stern GJ 436 einen Planeten mit der fünffachen Masse der Erde?

Planet bei GJ 436
Planet bei GJ 436

Bellaterra (Spanien) - Die Entdeckung des bislang kleinsten Planeten bei einem anderen Stern meldet ein spanisch-französisches Astronomenteam. Der Begleiter des 30 Lichtjahre entfernten Sterns GJ 436 besitzt nach den Angaben der Forscher lediglich die fünffache Masse der Erde. Der bisherige Rekord liegt bei der 5,5-fachen Erdmasse. Doch der Fund ist umstritten. Denn der neue Planet hat sich nur dadurch verraten, dass er die Bahn eines bereits früher aufgespürten Planeten geringfügig stört -- doch diese vermeintliche Störung könnte nach Ansicht anderer Forscher auch durch fehlende Beobachtungsdaten vorgetäuscht worden sein.

"Unsere Untersuchung öffnet einen neuen Weg, der zur Entdeckung sogar noch kleinerer Planeten führen kann", freut sich Ignasi Ribas vom Institut de Ciències de l’Espai im spanischen Bellaterra, der die jetzt im Fachblatt "Astrophysical Journal" veröffentlichte Studie leitete. Tatsächlich wäre es das erste Mal, dass ein Exoplanet, also ein Planet bei einem anderen Stern, dadurch aufgespürt wurde, dass er einen anderen Exoplaneten auf seiner Bahn stört.

Beobachtungen im vergangenen Jahr hatten gezeigt, dass GJ 436 einen Planeten mit der rund 23-fachen Erdmasse besitzt, der den Stern alle 2,6 Tage auf einer engen Umlaufbahn umrundet. Seine Umlaufbahn liegt dabei so, dass der Planet von der Erde aus gesehen gerade vor dem Stern vorüberzieht und dadurch dessen Strahlung geringfügig abschwächt. Diese Vorübergänge haben den Planeten verraten. Doch die Auswertung alter Beobachtungen aus dem Jahre 2004 zeigte zur Überraschung der Astronomen keine solchen Vorübergänge.

Ribas und seine Kollegen erklären das Fehlen der Vorübergänge in den alten Beobachtungen nun mit einer Bahnänderung des Planeten, hervorgerufen durch einen weiteren Himmelskörper in dem System. Mithilfe von Computersimulationen konnten sie die Bahnänderung nachvollziehen und so die Masse des störenden Planeten bestimmen. Andere Astronomen reagieren allerdings skeptisch. Eine einfachere Erklärung sei, so erklärt etwa Sara Seager vom Massachusetts Institute of Technology gegenüber dem Fachmagazin "New Scientist", dass es schlicht zu wenig alte Beobachtungen gäbe um die Vorübergänge nachzuweisen. Weitere Beobachtungen sollen nun zeigen, wer Recht hat. Das Modell von Ribas und seinen Kollegen sagt nämlich voraus, dass sich die Dauer der Vorübergänge im Verlauf dieses Jahres von 60 auf 62 Minuten verlängert.