Europas Astronomen einigen sich auf Prioritätenliste für künftige Teleskope im Weltall und auf der Erde

ASTRONET präsentierte am 25.11.2008 die Roadmap für die Werkzeuge der Astronomie in den nächsten 20 Jahren. Höchste Priorität aus Sicht der Wissenschaftler haben auf der Erde dabei das größte optische Teleskop, E-ELT und ein Radioteleskop, dass einen ganzen Kontinent umfast (SKA). Bei den Weltraummissionen sind der Gravitationswellendetektor „LISA“ und das Röntgenteleskop „IXO“ ganz oben auf der Liste.

Modelldarstellung des E-ELT
Modelldarstellung des E-ELT

Paris (Frankreich) - Unter dem Dach von ASTRONET haben sich 21 nationale Förderinstitutionen und Ministerien aus 18 europäischen Ländern sowie 3 transnationale europäische Einrichtungen (ESA, ESO und Nordic Optical Telescope Science Association - NOTSA) zusammengeschlossen, um gemeinsame Prioritäten zu entwickeln. Mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und seinem Projektträger PT-DESY in Hamburg, der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist Deutschland mit vier Förderinstitutionen an dieser Planungsinitiative beteiligt. Um zu einem Konsens zu kommen wurden die Science Vision und die Roadmap in einem offenen Prozess erarbeitet, der die intensive Wechselwirkung mit der Community ermöglichte. Das Ergebnis ist ein Plan, der die Unterstützung von Astronomen aus 28 Mitglieds- und assoziierten Staaten der EU mit über 500 Millionen Einwohnern hat.

 

Top-Prioritäten bei den größten erdgebundenen Projekten haben

- das European Extremely Large Telescope (E-ELT), welches das größte je gebaute optische Teleskop wäre mit einem 42 m messenden segmentierten Spiegel für die Erforschung des Himmels im sichtbaren und infraroten Licht.

- das Square Kilometre Array (SKA), ein riesiges Radioteleskop, das in den Plänen große Teile eines Kontinents einnimmt. Das SKA wird von einem weltweiten Konsortium geplant.

 

Projekte im mittleren Kostenbereich umfassen

- ein 4 m European Solar Telescope (EST), dessen Bau auf den Kanarischen Inseln geplant ist;

- das Cherenkov Telescope Array (CTA), das aus einem speziellen System optischer Teleskope für den Nachweis von Gammastrahlung besteht, die aus Schwarzen Löchern und anderen hochenergetischen Quellen stammen;

- das Cubic Kilometre Neutrino Telescope (KM3NeT), ein Unterwasser-Teleskop zum Nachweis von Neutrinos

 

Unter den größten Weltraummissionen, die für die kommende Dekade vorgeschlagen werden, sind

- das Laser Interferometer Space Antenna (LISA), eine Mission zur Untersuchung von Gravitationswellen aus dem Urknall und Schwarzen Löchern

- das International X-ray Observatory (IXO, bisher als XEUS bekannt), ein Röntgenteleskop zur Untersuchung von Galaxienhaufen, Galaxien und Sternen

- zwei Missionen zu den Planeten Jupiter und Saturn sowie ihren Monden.

 

Gleich herausfordernd, aber weniger kostspielige Weltmissionen sind u. a.

- eine Mission zur Untersuchung der Geheimnisse der Dunklen Energie und Dunklen Materie

- eine Mission für das Studium unsere Sonne in bisher nicht möglichen Details.

Darüber hinaus werden in der Roadmap Überlegungen angestellt, wie der wissenschaftliche Nutzen existierender Forschungseinrichtungen kosteneffektiver gestaltet werden kann. Weiterhin werden die Notwendigkeit für einen verbesserten Zugang zu modernsten Computer- und Laboreinrichtungen sowie eine bessere Einbindung der europäischen High-Tech Industrie bei der Entwicklung zukünftiger Einrichtungen betrachtet. Der Erfolg hängt in kritischer Weise von der Verfügbarkeit qualifizierter Wissenschaftler und Ingenieure ab. Um diese auch langfristig sicher zu stellen, werden in der Roadmap Vorschläge gemacht, um das Verständnis der Öffentlichkeit für Astronomie zu verbessern als Grundlage für eine verstärkte Werbung für Wissenschaft und Technik in Schulen und Universitäten.

 

Über 60 ausgewählte Experten aus ganz Europa trugen zur ASTRONET-Roadmap bei. Sie soll sicherstellen, dass die europäische Astronomie die Werkzeuge zur Verfügung hat, die die Erreichung der in der „Science Vision“ identifizierten Ziele ermöglichen. Die Experten identifizierten und priorisierten neue Einrichtungen, die es erlauben, das Universum von den Radiowellen bis zu Gammastrahlen zu beobachten, neue Wege zur Erforschung des Kosmos, wie z. B. Gravitationswellen, zu eröffnen und Fortschritte zu machen in der Erforschung des Sonnensystems. Bei diesem Unterfangen zogen sie alle Elemente eines erfolgreichen wissenschaftlichen Unternehmens in Erwägung, von globaler Kooperation bei den größten Mega-Projekten bis hin zur Weiterbildung und Anwerbung junger gut ausgebildeter Wissenschaftler und Ingenieure.

 

In 2007 wurde eine „Science Vision“ vorgelegt, die die brennendsten wissenschaftlichen Fragen des nächsten viertel Jahrhunderts gewichtete, von der Dunklen Energie bis hin zu Fragen von Leben auf anderen Planeten. Die europäische Astronomie präsentiert nun ihre „Infrastruktur-Roadmap“, die einen umfassenden 20-Jahresplan für die Koordinierung nationaler und gemeinschaftlicher Investitionen darstellt, um diesen Herausforderungen in einer kosteneffektiven Weise zu begegnen. Sie setzt nicht nur Schwerpunkte bei den für die Erreichung der zukünftigen wissenschaftlichen Ziele notwendigen neuen hochentwickelten Forschungsinfrastrukturen, sondern bezieht auch Fragen mit ein, die existierende Einrichtungen, Humankapital, Informationstechnologie, Ausbildung, Öffentlichkeitsarbeit und die durch die neuen Einrichtungen entstehenden Kosten, sowohl für den Bau als auch den Betrieb, betreffen.

 

Europa gibt gegenwärtig ca. 2 Milliarden Euro pro Jahr für Astronomie im weitesten Sinne aus. Die Umsetzung der ASTRONET Roadmap würde einen Anstieg der Fördermittel von ca. 20% erfordern, mithin weniger als 1 Euro pro Jahr und europäischem Einwohner. Einige der größten Projekte erfordern globale Kooperation, die in den Planungen schon vorgesehen ist.