Erstes Bild eines Exoplaneten im sichtbaren Licht

Astronomen fotografieren Exoplaten und gewinnen weitere Infrarotaufnahmen von gleich drei Planeten bei einem Stern

Hubble-Aufnahme des Staubrings um Fomalhaut
Hubble-Aufnahme des Staubrings um Fomalhaut

Berkeley (USA)/Livermore (USA) - Über 300 Planeten bei anderen Sternen haben die Astronomen bislang aufgespürt. Direkte Beobachtungen dieser fernen Welten sind allerdings noch die Ausnahme - die weitaus meisten der Exoplaneten konnten die Himmelsforscher nur mit indirekten Methoden nachweisen. Doch jetzt präsentiert ein internationales Team im Fachblatt "Science" erstmalig ein im sichtbaren Licht gemachtes Foto eines Exoplaneten. Ebenfalls in "Science" veröffentlicht ein zweites Astronomenteam das Infrarot-Bild von gleich drei Planeten um einen Stern.

"Dass diese Entdeckung im Bereich des sichtbaren Lichts möglich war, ist eine große Überraschung", sagt Paul Kalas von der University of California in Berkeley. Denn der von ihm und seinen Kollegen bei dem 25 Lichtjahre entfernten Stern Fomalhaut entdeckte Planet sei eigentlich viel zu weit von seinem Stern entfernt, um noch genügend Licht zu reflektieren. Der jupitergroße Begleiter ist 119-mal so weit von dem Stern entfernt wie die Erde von der Sonne und benötigt 872 Jahre für einen Umlauf. "Eine mögliche Erklärung wäre, dass der Planet von einem gewaltigen Ringsystem umgeben ist, viel größer als das Ringsystem des Saturn", so Kalas.

Gleich drei Planeten spürten Bruce Macintosh vom Lawrence Livermore National Laboratory und sein Team bei dem 130 Lichtjahre entfernten Stern HR 8799 auf. Infrarotbilder, gewonnen am Gemini-Nord- und am Keck-Teleskop auf Hawaii, zeigen drei unscheinbare Pünktchen, die sich um den Stern bewegen. Die Himmelskörper ziehen ihre Bahnen im 25-, 40- und 70-fachen Abstand Erde-Sonne um ihren Stern, ihre Massen liegen zwischen dem sieben- und dem zehnfachen der Masse des Planeten Jupiter in unserem Sonnensystem.

HR 8799 ist mit einem Alter von 60 Millionen Jahren ein noch junger Stern. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist 4,5 Milliarden Jahre alt. Die Planeten des Sterns sind deshalb ebenfalls jung und glühen noch - und verraten sich deshalb leichter durch ihre Infrarot-Strahlung als alte Planeten. Die Beobachtungen von HR 8799 gehören zu einem Projekt, bei dem die Astronomen 80 junge Sterne in der näheren Nachbarschaft unserer Sonne auf Planeten hin untersuchen wollen. Macintosh und seine Kollegen betonen, dass sie die drei Planeten bereits nach der Beobachtung einiger weniger Sterne gefunden hätten - es sei also sehr wahrscheinlich, dass es bei vielen dieser Sterne ähnliche Systeme mit Riesenplaneten gäbe.

"Wenn wir bislang neue Planeten bei einem Stern aufgespürt haben, so konnten wir nur eine Schlangenlinie in einem Diagramm sehen, das entweder die Geschwindigkeit des Sterns oder seine Helligkeit darstellt", sagt Macintosh. "Doch nun haben wir ein echtes Bild, das die Planeten selbst zeigt, und das macht die ganze Sache natürlich schlagartig noch viel interessanter." Denn nun könne man die Bahnbewegung der Planeten direkt verfolgen und aus ihrem Licht künftig sogar Informationen über ihre chemische Zusammensetzung, über ihre Atmosphäre und damit vielleicht sogar über die Existenz von Leben gewinnen.