Der jüngste Supernova-Überrest der Milchstraße

Eine expandierende Gaswolke kündet von der Explosion eines großen Sterns - vor 150 Jahren.

Supernova-Überrest G1.9+0.3
Supernova-Überrest G1.9+0.3

Cambridge (Großbritannien) - Vor 150 Jahren explodierte in der Nähe des Milchstraßenzentrums ein großer Stern - doch die Astronomen der damaligen Zeit konnten die Supernova nicht sehen, da sie hinter Gas und Staub verborgen war. Ein internationales Forscherteam hat jetzt die expandierende Gaswolke entdeckt, die von dem Stern übrig geblieben ist. Es handelt sich um den jüngsten Supernova-Überrest, der bislang in der Milchstraße gefunden wurde, berichten die Astronomen im Fachblatt "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society".

"Die Entdeckung, dass der Supernova-Überrest G1.9+0.3 so jung ist, ist ziemlich aufregend für uns", erklärt Dave Green vom Cavendish Laboratory in Cambridge, Großbritannien, einer der beteiligten Forscher. "Er füllt eine Lücke in der Verteilung der bekannten Überreste. Und da sich die Wolke so schnell ausbreitet, können wir in den kommenden Jahren ihre Entwicklung gut beobachten."

Green und seine Kollegen wurden auf G1.9+0.3 aufmerksam, als sie alte Radio-Bilder der Wolke aus dem Jahr 1985 mit neuen Röntgenbildern verglichen, die der Satellit Chandra 2007 aufgenommen hat. Der Supernova-Überrest schien sich in der Zeit zwischen den Aufnahmen deutlich verändert zu haben. Die Forscher waren sich allerdings nicht sicher, ob es sich tatsächlich um eine zeitliche Entwicklung der Wolke oder lediglich um Unterschiede zwischen der Radio- und der Röntgenstrahlung des Supernova-Überrests handelte.

Klarheit brachte nun eine neue Reihe von Radio-Beobachtungen, die deutlich zeigt, dass die Gaswolke in den vergangenen 23 Jahren um 15 Prozent angewachsen ist. Aus der Expansionsrate konnten die Astronomen zurückrechnen, dass die Explosion des Sterns maximal vor 150 Jahren stattgefunden haben kann. Damit ist G1.9+0.3 der bislang jüngste Supernova-Überrest in der Milchstraße. Der bisherige Rekordhalter ist 340 Jahre alt. G1.9+03 liegt hinter dichten Gas- und Staubwolken verborgen und ist deshalb im optischen Bereich nicht sichtbar, nur Radio- und Röntgenwellen können diesen Schleier durchdringen. Die genaue Entfernung des Explosions-Überrests ist bislang unbekannt, aber Green und seine Kollegen vermuten, dass sich G1.9+0.3 in der Nähe des galaktischen Zentrums befindet.