Das Sonnensystem ist asymmetrisch

Voyager-Daten zeigen, dass der Einflussbereich der Sonne in der Milchstraße nicht rund ist

Pasadena (USA) - Der lokale Einflussbereich unserer Sonne in der Milchstraße, die so genannte Heliosphäre, ist nicht rund, sondern asymmetrisch. Das zeigen Messungen der amerikanischen Raumsonde Voyager 2, die nach 30-jähriger Flugzeit am 31. August 2007 die Grenze der Heliosphäre erreicht hat. In einer Serie von fünf Artikeln berichten jetzt mehrere Forscherteams im Fachblatt "Nature" über die Messergebnisse und ihre Interpretation. Die Messungen zeigen unter anderem, dass es an der äußeren Grenze des Sonnensystems ziemlich turbulent zugeht.

Aus der heißen Atmosphäre der Sonne strömen ständig geladene Teilchen ins Weltall ab. Dieser "Sonnenwind" bewegt sich mit Überschallgeschwindigkeit nach außen und erzeugt eine Art Blase, eben die Heliosphäre, in dem dünn verteilten Gas zwischen den Sternen. Irgendwann jedoch ist der Sonnenwind so stark verdünnt, dass er das interstellare Gas nicht länger zurückdrängen kann. Dort, wo Sonnenwind und interstellares Gas aufeinander prallen, bildet sich eine Stoßwelle, der so genannte Termination-Schock.

Am 31. August und am 1. September vergangenen Jahres hat Voyager 2 diesen Termination-Schock gleich mehrfach durchquert, berichten jetzt die Wissenschaftler. Dies zeige, dass es in dieser Grenzzone teilweise heftige Gasströmungen nach innen und nach außen gäbe. Bereits im Dezember 2004 hatte die Schwestersonde Voyager 1 an anderer Stelle den Termination-Schock durchquert. Voyager 2 erreichte die Grenze der Heliosphäre jetzt in einem Abstand von 84 Astronomischen Einheiten - 10 Astronomische Einheiten näher, als Voyager 1. Eine Astronomische Einheit entspricht dem Radius der Erdbahn um die Sonne. Die Heliosphäre ist also nicht exakt kugelförmig, sondern asymmetrisch. Als Ursache für diese Asymmetrie kommt nach Ansicht der Wissenschaftler das lokale interstellare Magnetfeld infrage.

Voyager 1 und 2 waren 1977 gestartet und zunächst zu den Planeten Jupiter und Saturn geflogen. Die Lebensdauer der beiden Sonden übertraf alle Erwartungen der Forscher. Die Flugkörper erfreuen sich immer noch guter Gesundheit. Ihre radioaktiven Zerfallsbatterien könnten noch bis zum Jahr 2020 ausreichend Energie liefern um Daten vom Rand des Sonnensystems zur Erde übertragen.