Blitzende Sternenleiche

Astronomen beobachten erstmals eine dem irdischen Polarlicht ähnelnde Leuchterscheinung bei einem Magnetar

Magnetar
Magnetar

Granada (Spanien) - Zunächst wurden die Astronomen genarrt: Als das Satellitenobservatorium Swift am 10. Juni 2007 einen Schauer von Gammastrahlen registrierte, dachten die Himmelsforscher, es handele sich um einen typischen Gammaausbruch, ausgelöst durch den explosiven Tod eines extrem massereichen Sterns in einer fernen Galaxie. Doch die rasch aufgenommenen Beobachtungen vom Erdboden aus zeigten Verblüffendes: Innerhalb von drei Tagen blitzte das Objekt insgesamt 40 Mal hell im sichtbaren Licht auf. Wie die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Nature" schreiben, handelt es sich um einen rund 15.000 Lichtjahre entfernten "Magnetar", einen Neutronenstern mit einem extrem starken Magnetfeld. Es ist das erste Mal, dass die Astronomen solche Blitze, die den irdischen Polarlichtern ähneln, bei Magnetaren beobachtet haben.

"Es handelt sich hier um ein Objekt, das sich Jahrzehntelang im Ruhezustand befand", erklärt Alberto Castro-Tirado vom Andalusischen Institut für Astrophysik. "Jetzt hat das Objekt eine kurze Phase der Aktivität gezeigt." Woher die plötzliche Aktivität des Magnetars stammt, wissen die Forscher nicht - vielleicht, so spekulieren sie, hat ein starkes Sternbeben den Energieausbruch ausgelöst.

Magnetare sind junge Neutronensterne - also extrem kompakte Sternenleichen -, die schnell rotieren und ein extrem starkes Magnetfeld besitzen. Das Magnetfeld von SWIFT J195509+261406, so die Katalogbezeichnung des Objekts, ist vermutlich billiardenfach stärker als das der Erde. "Es könnte noch aus der halben Mondentfernung sämtliche Kreditkarten auf der Erde löschen", so Antonio de Ugarte Postigo, der wie Castro-Tirado an den Beobachtungen beteiligt war.

Die Lichtblitze sind vermutlich durch geladene Teilchen entstanden, die sich spiralförmig in dem starken Magnetfeld des Neutronensterns bewegt haben. Ein ähnlicher Prozess führt - allerdings mit erheblich geringeren Energien - im irdischen Magnetfeld zur Entstehung der Polarlichter. Die Astronomen kennen derzeit erst 15 Magnetare in der Milchstraße. "Magnetare verhalten sich die meiste Zeit über ruhig", so Ugarte Postigo, "es ist deshalb durchaus wahrscheinlich, dass es erheblich mehr davon in der Galaxis gibt."