Blick auf einen sterbenden Stern

Der roter Riesenstern WOH G64 in der Großen Magellanschen Wolke ist von einem dicken Staubring umgeben - in wenigen tausend Jahren wird er als Supernova explodieren.

Stern mit Staubring (künstlerische Darstellung)
Stern mit Staubring (künstlerische Darstellung)

Bonn/Garching - Einem Astronomenteam aus Deutschland ist es erstmalig gelungen, eine Nahaufnahme von einem großen Stern kurz vor seiner Explosion als Supernova zu gewinnen - in einer anderen Galaxie. Die Beobachtungen zeigen einen dicken Staubring um den sterbenden Stern mit der Katalogbezeichnung WOH G64 in der Großen Magellanschen Wolke. Ursprünglich besaß der Stern ungefähr die 25-fache Masse unserer Sonne. Im Endstadium seiner Entwicklung, als "roter Überriese", hat er bereits 10 bis 40 Prozent seiner Masse abgestoßen. Der rund 160.000 Lichtjahre entfernte Stern wird - von der Erde aus gesehen - in wenigen tausend Jahren als Supernova explodieren, schätzen die Forscher in ihrem im Fachblatt "Astronomy and Astrophysics" veröffentlichtem Bericht.

"Zum ersten Mal konnten wir eine Nahaufnahme von einem Stern gewinnen, der außerhalb unserer Milchstraße liegt. Das ist ein wichtiger Schritt, um zu verstehen, wie sterbende Sterne in anderen Galaxien sich von denen in unserer Milchstraße unterscheiden", sagt Keiichi Ohnaka vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn, einer der beteiligten Wissenschaftler. "Wir haben herausgefunden, dass dieser Überriesenstern in der letzten Phase seines Lebens von einem dicken Staubring umgeben wird, der ein bisschen so wie ein Bagel aus der Bäckerei aussieht." Der Durchmesser des Sterns ist so groß wie die Umlaufbahn von Saturn um die Sonne. Der innere Rand des Staubrings liegt bereits beim 120-fachen Abstand Erde-Sonne. Und die Gesamtgröße des Staubrings dürfte beinahe ein Lichtjahr betragen.

Seit Jahrzehnten versuchen die Astronomen zu verstehen, wie massereiche Sterne in ihren späten Entwicklungsstadien derart große Mengen von Material verlieren, bevor sie ihr Leben als Supernova beenden. Die beste Möglichkeit dazu bietet die detaillierte Untersuchung der Hülle aus Gas und Staub, die den Stern umgibt. Doch das ist angesichts der gewaltigen Entfernungen, in denen solche Sterne zu finden sind, schwierig. Sogar mit den größten optischen Teleskope mit Spiegeldurchmessern von acht bis zehn Metern ist es schwer, die Hüllen selbst der nächstgelegenen Riesensterne detailliert zu untersuchen.

Ohnaka und seinen Kollegen gelang der Blick auf die Hülle des sterbenden Riesensterns WOH G64 mit einem Trick. Sie schalteten drei der vier jeweils acht Meter großen Spiegelfernrohre des Very Large Telescopes VLT der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile zu einem so genannten Interferometer zusammen. Dabei wird die empfangene Strahlung der Geräte so überlagert, dass sie effektiv ein Teleskop mit dem Auflösungsvermögen eines 60 Meter großen Spiegels bilden. Mit einem solchen Teleskop könnte man aus Bonn noch einen Tennisball auf dem Brandenburger Tor in Berlin identifizieren, so die Forscher.