Venus Express -- die ersten Ergebnisse

Seit anderthalb Jahren umkreist die europäische Sonde Venus Express den Nachbarplaneten der Erde. Jetzt veröffentlichen gleich acht Forscherteams die ersten Ergebnisse der Mission.

Venus im UV-Licht
Venus im UV-Licht

Nordwijk (Niederlande) - Die Messungen der Sonde bestätigen unter anderem die Vermutung der Planetenforscher, dass es ursprünglich auch auf der Venus viel Wasser gab. Andere Beobachtungen werfen neue Fragen auf: So scheint es auf dem Planeten entgegen den Erwartungen der Wissenschaftler Gewitter zu geben.

"Venus ist unser nächster Nachbar und bezogen auf Masse und Durchmesser fast ein Zwilling der Erde", schreiben Håkan Svedhem und seine Kollegen vom Forschungszentrum Estec der europäischen Raumfahrtbehörde Esa im niederländischen Nordwijk. "Trotzdem sind die Bedingungen auf beiden Planeten in vielerlei Hinsicht extrem unterschiedlich." Warum ist die Venus im Gegensatz zur Erde eine knochentrockene, heiße Gluthölle geworden?

Vermutlich war die Venus in ihrer Frühgeschichte ebenfalls von Ozeanen aus Wasser bedeckt. Doch da der Planet seine Bahn näher an der Sonne zieht als die Erde, führte ein galoppierender Treibhauseffekt zum Verdampfen der Meere. Die Sonnenstrahlung spaltete dann den Wasserdampf in der Atmosphäre in Wasserstoff und Sauerstoff auf, der Wasserstoff konnte ins Weltall entweichen. Dabei sollte sich die Lufthülle der Venus mit schwerem Wasserstoff (Deuterium) anreichern, da gewöhnlicher, leichter Wasserstoff bevorzugt ins All abströmt. Die Messungen bestätigen diese Vorstellungen der Forscher: Die Atmosphäre enthält im Vergleich zur Erde 100- bis 150-mal mehr Deuterium.

Doch die Messungen von Venus Express werfen auch einige neue Fragen auf. So zeigen Temperaturmessungen in mittleren Höhen eine unerwartet hohe Temperaturdifferenz von 30 bis 40 Grad zwischen der Tag- und der Nachtseite der Venus. Allein durch die Sonneneinstrahlung lässt sich dieser Unterschied nicht erklären, denn die erheblich dichtere Atmosphäre des Planeten sollte für einen raschen Temperaturausgleich sorgen. Unerwartet kam für die Wissenschaftler auch die Entdeckung schwacher elektromagnetischer Pulse aus der Venusatmosphäre, die auf elektrische Entladungen hindeuten. Bislang waren die Forscher davon ausgegangen, dass es in den Schwefelsäurewolken der Venus keine Gewitter gibt.

"Insgesamt zeigt sich nach einem Jahr der Beobachtungen mit Venus Express, dass die Unterschiede zwischen Venus und Erde weniger geheimnisvoll sind als früher gedacht", fassen Svedhem und seine Kollegen die Ergebnisse zusammen. "Beide Planeten hatten in der Vergangenheit offenbar ähnliche Umwelten und haben sich nur verschieden entwickelt." Venus Express soll noch bis ins Jahr 2013 hinein weiter beobachten und messen -- Zeit genug also, um hoffentlich auch die verbleibenden Rätsel des Nachbarplaneten zu lösen.