Sternentstehung in galaktischem Schweif

Die 220 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie ESO 137-001 zieht einen 200.000 Lichtjahre langen Gasschweif hinter sich her. Röntgenbeobachtungen amerikanischer Astronomen zeigen nun, dass in diesem Schweif eine große Zahl neuer Sterne entsteht.

Galaxie mit Gasschweif: ESO 137-001
Galaxie mit Gasschweif: ESO 137-001

East Lansing (USA) - Die Entdeckung deutet darauf hin, dass es im Kosmos sehr viel mehr "verwaiste" Sterne abseits von Galaxien gibt als bislang vermutet, schreiben die Forscher in ihrem demnächst im Fachblatt "Astrophysical Journal" erscheinenden Bericht.

"Das ist einer der längsten Schweife, den wir jemals bei einer Galaxie gesehen haben", sagt Ming Sun von der Michigan State University, der die Beobachtungen geleitet hat. "Wie sich gezeigt hat, ist dieser Schweif keine Region der Zerstörung, sondern der Schöpfung." Es sei zwar nicht das erste Mal, dass die Entstehung neuer Sterne außerhalb einer Galaxie beobachtet worden sei, aber die große Zahl der neuen Sterne sei bislang beispiellos.

Die Galaxie ESO 137-001 rast mit hoher Geschwindigkeit auf das Zentrum des großen Galaxienhaufens Abell 3627 zu. Das mehrere Millionen Grad heiße Gas in dem Galaxienhaufen übt dabei eine Art Fahrtwind auf die Galaxie aus und entreißt ihr das kühle Gas, aus dem normalerweise in einer Galaxie neue Sterne entstehen. Irgendwann wird ESO 137-001 dadurch völlig von kühlem Gas befreit sein und es können in der Galaxie keine neuen Sterne mehr entstehen.

Dafür entstehen in dem Schweif, also in dem aus der Galaxie herausgerissenen Gas, neue Sterne. Die Röntgenbeobachtungen mit dem Chandra X-ray Observatory, einem die Erde umkreisenden Spezialsatelliten, zeigen zahlreiche hell strahlende Sternentstehungsregionen in dem Schweif. In der Frühzeit des Universums ist die Entstehung von Sternen in galaktischen Schweifen möglicherweise ein häufiges Phänomen gewesen. Deshalb könnte es im Kosmos auch abseits der Galaxien eine Vielzahl einsamer Sterne geben.