Röntgenstrahlung verrät versteckten Galaxienhaufen

Ein internationales Astronomenteam hat mit dem europäischen Röntgensatelliten XMM-Newton einen großen Galaxienhaufen aufgespürt, der sich genau hinter einem anderen Galaxienhaufen versteckt.

Röntgenbild der Region um den Cluster Abell 3128
Röntgenbild der Region um den Cluster Abell 3128

Garching/Utrecht (Niederlande) - Die Galaxienansammlung strahlt genauso hell wie der Haufen im Vordergrund, ist aber sechsmal weiter entfernt. Die Forscher berichten im Fachblatt "Astronomy and Astrophysics" über ihre Entdeckung.

Der rund 750 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxienhaufen Abell 3128 hatte die Astronomen bislang vor ein Rätsel gestellt. Denn der Haufen besitzt zwei ausgedehnte Röntgenquellen. Solche Röntgenquellen sind durchaus typisch für Galaxienhaufen, die Strahlung stammt von mehrere Millionen Grad heißem Wasserstoffgas im Inneren der Haufen. Doch bei Abell 3128 passen die beiden Röntgenquellen nicht recht zueinander.

"Die Strahlung der einen Quelle stammt von heißem Gas, das mit schweren Elementen angereichert ist", erläutert Norbert Werner vom niederländischen Institut für Weltraumforschung, einer der beteiligten Forscher. "Doch das Gas der anderen Röntgenquelle besitzt einen wesentlich geringeren Anteil an schweren Elementen." Die schweren Elemente werden ausschließlich durch Kernfusion in Sternen erzeugt und bei der Explosion der Sterne im Weltall verteilt. Warum also sollten die beiden Gaswolken einen so unterschiedlichen Anteil an schweren Elementen besitzen?

Die neuen Beobachtungen mit dem Röntgensatelliten XMM-Newton haben das Rätsel nun gelöst. Die zweite Gaswolke gehört nicht zu Abell 3128, sondern zu einem sechsmal weiter entfernten Galaxienhaufen, der sich hinter Abell 3128 verbirgt. Damit sehen die Astronomen diesen fernen Haufen auch in einem früheren, jüngeren Zustand und sein Gas ist entsprechend noch weniger mit schweren Elementen angereichert.