Röntgenblick entlarvt Energiequelle der Sonnenkorona

Über eine Million Grad heiß ist die äußere Atmosphäre der Sonne, die so genannte Korona. Neue Röntgenaufnahmen des japanischen Satelliten Hinode zeigen nun erstmals, wie verwickelte Magnetfelder das dünne Gas der Korona aufheizen.

Magnetfeld über einem Sonnenfleck
Magnetfeld über einem Sonnenfleck

Washington (USA) - Die an der Mission beteiligten Wissenschaftler präsentierten am Dienstag auf einer Pressekonferenz der Nasa in Washington erste Ergebnisse ihrer Messungen mit den Detektoren von Hinode.

"Mit diesen Aufnahmen beginnt eine neue Ära der Erforschung jener Prozesse auf der Sonne, die uns auf der Erde beeinflussen, die eine Bedrohung für Astronauten und Satelliten darstellen", schwärmt Richard Fisher, der Leiter der Nasa-Abteilung für Sonnenphysik. Während die Sonnenoberfläche eine Temperatur von rund 5600 Grad Celsius besitzt, heizt sich das Gas in der dünnen Korona, die mehrere Sonnenradien ins All hinaus reicht, auf über eine Million Grad auf. Die Röntgenkameras von Hinode zeigen verwickelte Magnetfelder in der Sonnenatmosphäre, in der große Energiemengen gespeichert sind. Wenn diese komplizierten Strukturen sich zu einfacheren Konfigurationen umarrangieren, wird die Energie freigesetzt -- und heizt die Korona auf. "Die Theorie sagt seit langem die Existenz dieser verwickelten Magnetfelder voraus", so Leon Golub, Sonnenforscher am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Baltimore, "mit Hinode können wir diese Strukturen nun erstmalig sehen."

Hinode war am 23. September 2006 gestartet und blickt mit einem optischen, einem ultravioletten und einem Röntgenteleskop in unterschiedliche Schichten der Sonnenatmosphäre. An der Mission sind auch Institute aus Großbritannien und den USA beteiligt. Außerdem stellt die europäische Raumfahrtbehörde Esa eine Bodenstation auf den norwegischen Svalbard-Inseln zum Empfang der Hinode-Daten zur Verfügung.

Aus der Sonnenkorona schießen immer wieder hochenergetische Teilchen ins Sonnensystem hinaus. Treffen diese Partikel auf das irdische Magnetfeld, so können sie beispielsweise zu Störungen in der Telekommunikation und in Energieversorgungsnetzen führen. Außerdem stellen die hochenergetischen Teilchen eine Gesundheitsgefahr für Astronauten dar und können auch die empfindliche Elektronik an Bord von Satelliten zerstören. "Die Freisetzung der magnetischen Energie in der Korona ist die Grundlage für dieses Weltraumwetter", erläutert Bernard Fleck von der Esa, "durch die Kombination der von Hinode und dem europäischen Sonnenobservatorium Soho gelieferten Daten wird sich unser Verständnis von diesen Vorgängen erheblich verbessern. Das wird zu einer deutlichen Steigerung unserer Möglichkeiten führen, das Weltraumwetter vorherzusagen."