Magellansche Wolken: Besucher, keine Begleiter

Die beiden Magellanschen Wolken am Südhimmel sind offenbar keine Satellitengalaxien der Milchstraße, sondern fliegen erstmalig an der Galaxis vorbei. Zu diesem Schluss kommt ein Team amerikanischer Astronomen auf der Basis verbesserter Modellrechnungen.

Cambridge (USA) - Bereits Anfang des Jahres hatten Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop Hubble gezeigt, dass sich die Magellanschen Wolken zu schnell bewegen, um an die Milchstraße gebunden zu sein. Die Forscher berichten demnächst im Fachblatt "Astrophysical Journal" über ihre Arbeit.

"Wir kennen diese Wolken seit den Zeiten Magellans -- und nun wirft eine einzige Beobachtung alles über den Haufen, was wir über diese Zwerggalaxien zu wissen glaubten", sagt Gurtina Besla vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics im amerikanischen Cambridge. Denn bis zu den Hubble-Beobachtungen galt es als sicher, dass die Große und die Kleine Magellansche Wolke unsere Milchstraße umkreisen. Doch wie die bis dahin genauesten Messungen der dreidimensionalen Bewegung der beiden Galaxien zeigten, sind ihre Geschwindigkeiten zu groß für eine gebundene Bewegung um die Galaxis.

Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen: Erstens, die Magellanschen Wolken sind eben keine Begleiter der Milchstraße sondern fliegen lediglich an ihr vorüber; zweitens, die Masse unserer Milchstraße ist größer als gedacht, dann wäre auch eine höhere Geschwindigkeit für eine gebundene Bewegung möglich. Mithilfe eines verbesserten Massenmodells der Milchstraße konnten Besla und ihre Kollegen nun zeigen, dass offenbar die erste Erklärung die korrekte ist.

"Allerdings wirft diese Antwort viele neue Fragen auf", gesteht die Forscherin. So ziehen die Magellanschen Wolken beide einen langen Schweif aus Gas hinter sich her. Bislang dachten die Astronomen, dieser Schweif sei durch die Gezeitenwechselwirkung zwischen der Milchstraße und den Magellanschen Wolken entstanden. Doch das wäre nur möglich, wenn die beiden Zwerggalaxien die Milchstraße seit langem umkreisen. Mit weiteren Beobachtungen und Modellrechnungen hoffen Besla und ihre Kollegen nun, den Ursprung dieser Magellanschen Ströme zu erklären.