Keplers Supernova war ein junger Stern

Im Jahr 1604 sah der deutsche Astronom Johannes Kepler einen "neuen Stern" am Himmel aufleuchten. Doch er beobachtete nicht die Geburt, sondern den Tod eines Sterns.

Keplers "Supernova"
Keplers "Supernova"

Seattle (USA) - Röntgenbeobachtungen mit dem amerikanischen Satelliten Chandra haben jetzt gezeigt, dass der damals in rund 20.000 Lichtjahren Entfernung explodierte Stern nur rund 100 Millionen Jahre alt war und nicht Milliarden von Jahren, wie bislang vermutet. Die Beobachtungen wurden jetzt auf einer Fachtagung der "American Astronomical Society" in Seattle präsentiert. Die Forscher erhoffen sich daraus ein besseres Verständnis dieser "Supernovae", die eine wichtige Rolle für die Entfernungsmessung im Kosmos spielen.

Seit Jahrzehnten untersuchen die Astronomen die Kepler-Supernova in allen Wellenlängen-Bereichen -- doch ihr Ursprung blieb bislang ein Rätsel. Denn die Beobachtungen lieferten widersprüchliche Ergebnisse. So konnten die Forscher trotz aller Anstrengungen keinen Neutronenstern am Ort der Sternexplosion entdecken. Dies spricht für eine Supernova des Typs "Ia", bei der ein Weißer Zwergstern in einem Doppelsternsystem seinem Begleiter Materie entreißt, dadurch schließlich instabil wird und explodiert.

Optische Beobachtungen zeigen jedoch andererseits, dass sich die Explosionsüberreste des Sterns in dichteres Material hinein ausbreiten. Dies wäre typisch für eine Supernova des Typs "II", bei der ein einzelner Stern vor seiner Explosion bereits seine Außenhüllen abstößt. Doch Supernovae des Typs II hinterlassen Neutronensterne.

Die neuen Röntgenbeobachtungen mit Chandra durch Stephen Reynolds von der North Carolina State University und seine Kollegen zeigen nun, dass es sich bei Keplers "neuem Stern" tatsächlich um eine Supernova des Typs Ia gehandelt hat - allerdings um eine ungewöhnliche. Der Stern muss nämlich, so die Wissenschaftler, außergewöhnlich massereich gewesen sein und ist deshalb bereits im vergleichsweise jungen Alter von rund 100 Millionen Jahren explodiert. Dies erklärt auch, warum der Stern von dichterem Material umgeben war: Massereiche Sterne besitzen starke "Sternwinde", durch die große Mengen an Gas ins All abströmen.

Supernovae des Typs Ia werden von den Astronomen als "Standardkerzen" zur Vermessung des Universums verwendet. Für die Forscher ist es deshalb wichtig zu wissen, wie sich die Explosionen von massereichen und weniger massereichen Sternen unterscheiden. Die genaue Untersuchung von Keplers Supernova kann also dabei helfen, diese Messlatte der Kosmologie noch zuverlässiger zu machen.