Hubble-Mosaik zeigt 50.000 junge Galaxien

Um einen Blick in die "Kinderstube" der Galaxien zu werfen, haben Astronomen über 500 Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble zu einem Mosaik zusammengesetzt. Das insgesamt über drei Milliarden Pixel große Mosaik zeigt einen 1,1 Grad mal 0,15 Grad großen Himmelsausschnitt nahe dem "Großen Wagen" und enthält 50.000 junge Galaxien zu einer Zeit, als das Universum etwa acht Milliarden Jahre alt war.

Baltimore (USA) - Das Hubble-Mosaik ist Teil eines größeren Projekts, bei dem dieser Himmelsausschnitt mit insgesamt vier Großteleskopen auf der Erde und vier Weltraumobservatorien beobachtet wurde. In insgesamt 19 Veröffentlichungen berichten die über 50 beteiligten Wissenschaftler aus aller Welt im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters" über die Ergebnisse des Forschungsprojekts.

"Unser Ziel ist es, das Universum zu einer Zeit zu untersuchen, als es etwa halb so alt war wie heute, zu einer Zeit, als die Entstehungsphase der Galaxien gerade endete und die Galaxien sozusagen erwachsen wurden", erläutert Marc Davis von der University of California in Berkeley, einer der beteiligten Astronomen. Die Forscher beobachteten den kleinen Himmelsstreifen im Rahmen des AEGIS-Projekts -- All-wavelength Extended Groth Strip International Survey -- im optischen, infraroten, ultravioletten, sowie im Radio- und im Röntgenbereich.

Die Galaxien in dem Mosaik besitzen bereits die unterschiedlichsten Formen -- von Spiralgalaxien über große elliptische Galaxien bis hin zu unregelmäßigen Strukturen, die von der Verschmelzung mehrerer Galaxien künden. "Die Aufnahmen zeigen Galaxien in allen Stadien ihrer Entwicklung", so Anton Koekemoer vom Space Telescope Science Institute in Baltimore, der die Erstellung des Hubble-Mosaiks leitete. Das Mosaik zeigt außerdem, dass die Galaxien nicht völlig gleichmäßig verteilt sind -- sie sammeln sich bevorzugt in den Filamenten einer netzartigen Struktur, die den Kosmos erfüllt. Diese Struktur spiegelt die Verteilung der rätselhaften Dunklen Materie wieder, denn Galaxien entstehen bevorzugt dort, wo sich viel Dunkle Materie befindet.

Die Aufnahmen in den anderen Wellenlängenbereichen zeigen neben den normalen Galaxien auch exotischere Objekte, etwa supermassive Schwarze Löcher oder so genannte "Starburst"-Galaxien, in denen es explosionsartig zur Entstehung neuer Sterne kommt. Die Astronomen haben unter anderem auch eine Riesengalaxie mit gleich zwei supermassiven Schwarzen Löchern in ihrem Zentrum entdeckt, sowie zahlreiche "Gravitationslinsen", Galaxien, die das Licht weiter entfernter Objekte ablenken und so von ihnen Mehrfachbilder erzeugen. Die Auswertung aller im AEGIS-Projekt angesammelten Daten wird vermutlich Jahre dauern.