Gas lässt alte Sternhaufen jung aussehen

Eine Reihe junger Sternhaufen im Zentrum unserer Milchstraße stellt die Astronomen vor ein Rätsel.

Santa Cruz (USA)/Livermore (USA) - Wie können dort, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem supermassiven Schwarzen Loch, Sterne entstehen? Zwei amerikanische Forscher präsentieren nun im Fachblatt "Astrophysical Journal" eine Lösung: Die Sternhaufen sind gar nicht jung, sondern alt und sind aus anderen Regionen in das galaktische Zentrum gewandert. Erst der Zustrom von Gas lässt die alten Sterne jung erscheinen.

Die Sternhaufen aus vermeintlich großen, jungen Sternen befinden sich weniger als hundert Lichtjahre vom Schwarzen Loch im Mittelpunkt der Milchstraße entfernt. Dort ist die Schwerkraft des Schwarzen Lochs so stark, dass sie Gaswolken auseinander reißen sollte, bevor aus ihnen Sterne entstehen können. Demnach müssten die Sternhaufen in größerer Entfernung vom galaktischen Zentrum entstanden sein und sich erst dann dem Schwarzen Loch angenähert haben. Doch auch das ist kaum möglich, denn massereiche Sterne haben eine zu kurze Lebensdauer für eine solche Reise.

Douglas Lin von der University of California in Santa Cruz und Stephen Murray vom Lawrence Livermore National Laboratory in Livermore stellen deshalb eine andere These auf. Danach sind die Sternhaufen zwar auch weit vom Milchstraßenzentrum entfernt entstanden. Doch die Sterne sind nicht jung, sondern alt -- sie sehen lediglich jung aus, weil Gas aus der Umgebung auf sie einfällt und sie heller aufleuchten lässt.

Ganz ohne Probleme ist allerdings auch dieses Szenario nicht. Denn ein alter Sternhaufen sollte auch rote Riesensterne enthalten, und diese wurden bislang nicht gefunden. Möglicherweise sind diese roten Riesen zu leuchtschwach, meinen Lin und Murray, zumal Staubwolken die Strahlung aus der Zentrumsregion der Milchstraße weiter abschwächt. Ein anderer Einwand ist, dass die Gravitation des supermassiven Schwarzen Lochs die Sternhaufen bei ihrer Annäherung auflösen sollte. Es würde allerdings reichen, so Lin und Murray, wenn ein kleiner Teil der Haufen die Annäherung überlebt, um die beobachtete Zahl der Haufen im galaktischen Zentrum zu erklären.