Galaxienhaufen: Neues Rätsel um Dunkle Materie

Neue Beobachtungen eines drei Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxienhaufens vertiefen das Rätsel um die so genannte Dunkle Materie. Der Galaxienhaufen enthält in seinem Zentralbereich nur Dunkle Materie, aber keine Galaxien -- eigentlich sollten Dunkle Materie und Galaxien jedoch etwa gleich verteilt sein.

Galaxienhaufen Abell 520
Galaxienhaufen Abell 520

Victoria (Kanada) - Ein kanadisch-amerikanisches Forscherteam berichtet demnächst im Fachblatt "Astrophysical Journal" über die Beobachtungen und ihre mögliche astrophysikalische Bedeutung.

Der Galaxienhaufen Abell 520 ist durch den Zusammenstoß mehrerer kleinerer Galaxienhaufen entstanden. "Die Beobachtungen stehen im Widerspruch zu unseren bisherigen Vorstellungen von der Verschmelzung von Galaxienhaufen", erläutert Andisheh Mahdavi von der University of Victoria in Kanada, einer der beteiligten Astronomen. "Sie könnten dazu führen, das wir die Natur der Dunklen Materie ganz neu überdenken müssen."

Messungen der Schwerkraft zeigen, dass Galaxienhaufen zu etwa 80 Prozent aus Dunkler Materie bestehen. Diese bislang mysteriöse Substanz tritt mit der normalen Materie, aus der Sterne und Planeten bestehen, ausschließlich über die Schwerkraft in Wechselwirkung und sendet keinerlei Strahlung aus. Beim Zusammenstoß von Galaxienhaufen sollte sich die Dunkle Materie, so die Theorie, mit den Galaxien mitbewegen. Tatsächlich konnte dieses Verhalten auch bereits in einem anderen Fall, dem ebenfalls aus einer Kollision hervorgegangenen Haufen 1E0657-56, nachgewiesen werden.

Umso verblüffender für die Wissenschaftler, dass die Dunkle Materie sich in Abell 520 nun ganz anders und unerwartet verhält. Gibt es also möglicherweise zwei unterschiedliche Arten von Dunkler Materie? Mahdevi und seine Kollegen halten das für unwahrscheinlich. Mit weiteren Beobachtungen und Computersimulationen von Galaxienkollisionen wollen die Forscher nun nach einer Erklärung für das neue Rätsel der Dunklen Materie suchen.