Dreifache Sterngeburt in Kugelsternhaufen

Die Sterne im Kugelsternhaufen NGC 2808 gehören drei unterschiedlichen Generationen an.

Washington (USA)/Garching - Das zeigen Beobachtungen der etwa 30.000 Lichtjahre entfernten Sternenansammlung durch ein internationales Forscherteam mit dem Weltraumteleskop Hubble. Bislang hatten die Astronomen gedacht, dass alle Sterne in einem Kugelsternhaufen zur gleichen Zeit entstehen. In NGC 2808 scheint es jedoch innerhalb von 200 Millionen Jahren drei Phasen der Entstehung gegeben zu haben. Die Wissenschaftler berichten demnächst im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters" über ihre Entdeckung.

"Unser Standardbild von Kugelsternhaufen ist, dass dort alle Sterne zur gleichen Zeit, am gleichen Ort und aus dem gleichen Material entstehen und dass sie sich dann über die Jahrmilliarden gemeinsam entwickeln", erläutert Luigi Bedin von der Europäischen Südsternwarte ESO, einer der beteiligten Himmelsforscher. "Dies ist der Eckpfeiler, auf dem ein Großteil der Erforschung der Sterne ruht. Deshalb sind wir so überrascht, in NGC 2808 mehrere unterschiedliche Sternengenerationen zu finden."

Kugelsternhaufen sind dichte Ansammlungen aus mehreren hunderttausend Sternen. Sie sind die ältesten Objekte in der Milchstraße, entstanden vor rund 12 bis 13 Milliarden Jahren. Die Astronomen gehen bislang davon aus, dass ein Kugelsternhaufen aus einer großen Gaswolke entsteht, in der sich aus Verdichtungen gleichzeitig die Sterne bilden. Die Strahlung der jungen Sterne bläst dann das verbleibende Gas aus dem Sternhaufen heraus und verhindert so die Entstehung weiterer Sterngenerationen.

In NGC 2808 scheint die Geschichte jedoch anders verlaufen zu sein. Mit rund einer Million Sternen gehört der Haufen allerdings auch zu den größten unserer Milchstraße -- und vielleicht liegt hier die Ursache für die mehrfache Sterngeburt. Die Schwerkraft eines so massereichen Haufens könnte ausreichen, um das nach der Geburt der ersten Sternengeneration verbleibende Gas an den Haufen zu binden, vermuten die Forscher. Durch Sternexplosionen ausgelöste Schockwellen könnten das Gas dann komprimieren und so zur Geburt der jeweils nächsten Generation führen. Eine andere Erklärung wäre, dass es sich bei NGC 2808 nicht um einen echten Kugelsternhaufen, sondern um den Überrest einer Zwerggalaxie handelt. Klarheit sollen nun Beobachtungen weiterer massereicher Kugelsternhaufen bringen.