Die Sonne in drei Dimensionen

Zwei amerikanische Raumsonden haben erstmals dreidimensionale Bilder und Videos der turbulenten Atmosphäre unserer Sonne geliefert. Wissenschaftler der Nasa präsentierten die Aufnahmen der Zwillingssonde "Stereo" am Montag auf einer Pressekonferenz in Washington.

Stereo-Bild der Sonne
Stereo-Bild der Sonne

Washington (USA) - Die Forscher erhoffen sich von dem Stereoblick auf unser Zentralgestirn verbesserte Erkenntnisse über die Sonnenaktivität und das davon verursachte Weltraumwetter.

"Es ist ähnlich wie in der Medizin", erläutert Michael Kaiser, Stereo-Projektwissenschaftler vom Goddard Space Flight Center der Nasa, "früher gab es nur zweidimensionale Röntgenbilder, heute haben wir die dreidimensionale Computertomografie. Einen solchen Sprung machen wir nun in der Sonnenphysik." Und sein Kollege Russell Howard vom Naval Research Laboratory ergänzt: "Bislang gab es für uns in der Sonnenatmosphäre keine Möglichkeit, Entfernungen zu bestimmen -- in zwei Dimensionen erscheint alles flach. Der Stereoblick liefert uns nun die dritte Dimension und macht alles viel einfacher. Wir können nun erkennen, wo genau die Materie und die Energie in der Sonnenatmosphäre fließen."

Die Stereo-Sonden waren am 25. Oktober vergangenen Jahres gestartet. Nach einer Reihe komplexer Flugmanöver, unter anderem einem Vorbeiflug am Mond, haben die Raumfahrzeuge inzwischen ihren Zielorbit erreicht: Eine umkreist die Sonne ein Stückchen vor der Erde, die andere ein Stückchen hinter der Erde. Dadurch blicken die Sonden aus verschiedenen Richtungen auf das Zentralgestirn und liefern so in Kombination -- ähnlich wie die beiden Augen beim Menschen -- einen räumlichen Blick.

Aus der Sonnenkorona schießen immer wieder hochenergetische Teilchen ins Sonnensystem hinaus. Treffen diese Partikel auf das irdische Magnetfeld, so können sie beispielsweise zu Störungen in der Telekommunikation und in Energieversorgungsnetzen führen. Außerdem stellen die hochenergetischen Teilchen eine Gesundheitsgefahr für Astronauten dar und können auch die empfindliche Elektronik an Bord von Satelliten zerstören. Mit Stereo können die Forscher nicht nur erstmals die Entstehung der Sonneneruptionen in drei Dimensionen verfolgen, sondern auch den Weg der hochenergetischen Teilchen bis zur Erde beobachten.