Auch enge Doppelsterne können Planeten besitzen

Über die Hälfte aller Sterne gehören zu Doppel- oder Mehrfachsystemen. Bislang vermuteten die Astronomen, dass insbesondere bei engen Doppelsternsystemen keine Planeten entstehen könnten. Beobachtungen mit dem Infrarot-Weltraumteleskop Spitzer zeigen jetzt jedoch das Gegenteil.

Sonnenuntergang auf einem Doppelstern-Planeten
Sonnenuntergang auf einem Doppelstern-Planeten

Tucson (USA) - Um Doppelsternsysteme gibt es genauso häufig Staubscheiben, die auf Planetenentstehung hindeuten, wie um Einzelsterne. Mehr noch: Bei engen Doppelsternen treten solche Scheiben sogar häufiger auf, berichtet ein amerikanisches Forscherteam im Fachblatt "Astrophysical Journal".

"Ein Doppelstern scheint also kein Hindernis für die Planetenentstehung zu sein", sagt David Trilling von der University of Arizona, der Hauptautor der Studie. "Es könnte also unzählige Planeten mit mehr als einer Sonne geben." Dass es Planeten in weiten Doppelsternen gibt, bei denen die beiden Sterne um mehr als das Tausendfache weiter voneinander entfernt sind als die Erde von der Sonne, wussten die Astronomen bereits. Denn von den rund 200 bislang bei anderen Sternen aufgespürten Planeten kreisen 50 um eine der Sonnen eines solchen weiten Systems. Trilling und seine Kollegen konzentrierten sich bei ihren Beobachtungen mit dem Spitzer-Teleskop jedoch auf Systeme mit Abständen kleiner als dem 500-fachen der Entfernung Erde-Sonne. Denn bei solchen Abständen sollte sich der Einfluss des zweiten Sterns bemerkbar machen.

Bei engeren Systemen ist es allerdings schwierig, Planeten mit den üblichen Verfahren aufzuspüren. Bisher gibt es lediglich einen einzigen, bislang nicht bestätigten Kandidaten. Trilling und seine Kollegen verfolgten deshalb eine andere Strategie. Sie suchten nicht nach den Planeten selbst, sondern nach Staubscheiben um die Sterne, Überreste aus der Phase der Planetenentstehung. Insgesamt nahmen die Forscher 69 Doppelsterne in Entfernungen von 50 bis 200 Lichtjahren ins Visier. Die Beobachtungen zeigen, dass 40 Prozent dieser Systeme Staubscheiben besitzt -- nahezu die gleiche Häufigkeit wie bei Einzelsternen. Die größte Überraschung ist, so die Wissenschaftler, dass bei den Systemen mit den kleinsten Abständen -- weniger als das Dreifache der Entfernung Erde-Sonne -- Staubscheiben mit 60 Prozent sogar deutlich häufiger auftreten als bei Einzelsternen.

"Das könnte bedeuten, dass die Planetenentstehung bei engen Doppelsternen sogar wahrscheinlicher ist als bei Einzelsternen", so Trilling, "aber wir brauchen weitere Beobachtungen, um diesen Befund zu überprüfen." Allerdings sind nicht alle Doppelsterne planetenfreundlich: Bei mittleren Abständen der Sterne -- zwischen dem Dreifachen und dem 50-fachen der Entfernung Erde-Sonne -- gibt es deutlich weniger Staubscheiben. Planeten gibt es also offenbar bevorzugt bei sehr weiten und sehr engen Doppelsternen.