Suche nach Wasser: Nasa will Mond beschießen

Gibt es am Südpol des Mondes, verborgen im ewigen Schatten tiefer Krater, gefrorenes Wasser? Diese Frage will die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa 2008 durch Raketenbeschuss klären.

Washington (USA) - Eine Raketenstufe soll dann in einen Krater am lunaren Südpol einschlagen und dabei etwa 1000 Tonnen Materie herausschleudern. Eine kleine Sonde soll durch das ausgeworfene Material hindurch fliegen und Daten über seine Zusammensetzung zur Erde funken.

"Wenn wir dort tatsächlich eine große Menge Wasser finden, könnte dieses Wasser zur Produktion von Raketentreibstoff, sowie zur Versorgung einer bemannten Mondstation dienen", erläutert Marvin Christensen die Bedeutung des Vorhabens. Der Forscher leitet das "Robotic Lunar Exploration Program" der Nasa. 1996 deuteten Messungen der Mondsonde Clementine erstmals darauf hin, dass es am lunaren Südpol am Boden eines tiefen Kraterbassins Wasserstoff gibt. Zwei Jahre später bestätigte die Sonde Lunar Prospector diesen Verdacht: Mehrere hundert Millionen Tonnen Wasserstoff spürten die Detektoren des Raumschiffs am in ewiger Dunkelheit liegenden Boden von Kratern am Nord- und Südpol des Mondes auf. Ungeklärt ist bislang die Frage, in welcher Form der Wasserstoff vorliegt: Handelt es sich lediglich um wasserstoffreiche Mineralien - oder tatsächlich um Eis?

Für die Einschlag-Mission nutzt die Nasa den für 2008 ohnehin geplanten Flug des "Lunar Reconnaissance Orbiters" LRO zum Mond, der die chemische Beschaffenheit des Mondbodens mit hoher Auflösung untersuchen soll. Die Raketenstufe, die den LRO zum Mond schießt, wird mit einer weiteren kleinen Sonde, dem "Sheperding Spacecraft" S-S/C ausgestattet. Kurz vor Erreichen des Mondes trennen sich Raketenstufe und S-S/C. Die 2000 Kilogramm schwere Raketenstufe schlägt dann am Mondsüdpol ein und reißt dort, so die Hoffnung der Nasa-Forscher, einen 5 Meter tiefen und 30 Meter großen Krater.

Unterdessen fliegt das Sheperding Spacecraft durch die Wolke aus herausgeschleuderter Materie hindurch - bevor sie 15 Minuten später ebenfalls auf dem Mond zerschellt. Das S-S/C ist mit zwei Kameras und fünf Spektrometern zur Untersuchung des ausgeworfenen Materials ausgestattet. Außerdem wollen die Forscher den Einschlag auch mit zahlreichen weiteren Mondsonden, sowie mit großen Teleskopen von der Erde aus beobachten.