Sonnenblende im All macht Planeten sichtbar

Mit einem Trick wollen amerikanische Astronomen Planeten bei anderen Sternen sichtbar machen. Im Fachblatt "Nature" schlagen sie vor, eine blütenförmige Sonnenblende 15.000 Kilometer vor einem Weltraumteleskop zu stationieren.

Sonnenblende im All
Sonnenblende im All

Boulder (USA) - Die Blende soll einen Stern verdecken und so die in seiner Nähe kreisenden Planeten sichtbar machen. Sogar Ozeane auf erdähnlichen Planeten ließen sich auf diese Weise beobachten meinen die Forscher -- und vielleicht ließe sich sogar die Existenz von Leben auf einem solchen Planeten nachweisen.

"Wir schlagen vor, die Blende schon 2013 kurz nach dem James Webb Space Telescope ins All zu schießen", erläutert Webster Cash von der University of Colorado das von ihm initiierte Vorhaben. "Das ist die schnellste Möglichkeit, die Methode umzusetzen." Das James Webb Space Telescope (JWST) ist der von der Nasa geplante Nachfolger des Weltraumteleskops Hubble.

Es soll 1,6 Millionen Kilometer von der Erde entfernt am so genannten Lagrange-Punkt stationiert werden. Dort heben sich die Anziehungskräfte von Sonne und Erde, sowie die Fliehkraft der Bahnbewegung gerade so auf, dass das Teleskop sich antriebsfrei mit der Erde gemeinsam um die Sonne bewegen kann. Die Sonnenblende soll dann nach Cashs Vorstellung dem JWST folgen und mit einem eigenen Antrieb in dessen Umgebung jeweils so positioniert werden, dass es den gewünschten Stern abdeckt.

In den vergangenen Jahren haben die Astronomen über 170 Planeten bei anderen Sternen entdeckt. Sie wurden jedoch ausnahmslos auf indirektem Wege aufgespürt. Das Licht ihrer Zentralsterne überstrahlt die Planeten -- lediglich in zwei Fällen gelang es bisher, die "Exoplaneten" auch direkt zu fotografieren. Die Blende im All kann nach Cashs Berechnungen das Licht des Sterns um einen Faktor von zehn Milliarden dämpfen. Dann könnten die Astronomen nicht nur die Planeten sehen, sondern auch ihr Licht untersuchen und so vielleicht Hinweise auf Leben finden. Denn Lebensformen verändern beispielsweise die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre eines Planeten. Die Nasa unterstützt die Weiterentwicklung des Konzepts bereits mit einem Etat von 400.000 Dollar.