Seltene Gamma-Eruption im galaktischen Zentrum

Europäische Astronomen haben mit dem Spezialsatelliten Integral eine seltene Gammastrahlungs-Eruption im Zentrum unserer Milchstraße beobachtet.

Gammastrahlung-Eruption in der Milchstraße
Gammastrahlung-Eruption in der Milchstraße

Versoix (Schweiz) - Der Strahlungsausbruch wurde nach Ansicht der Forscher durch den Zusammenbruch einer Materiescheibe um ein Schwarzes Loch ausgelöst. Das Team berichtet im Fachblatt "Astronomy and Astrophysics" über die Entdeckung.

"Das galaktische Zentrum ist eine der aufregendsten Regionen für die Gamma-Astronomie", erläutert Roland Walter vom Integral Science Data Center im schweizerischen Versoix, "denn dort gibt es sehr viele potenzielle Gammastrahlungsquellen." Deshalb hat Integral vier Wochen lang ausschließlich diese Himmelsregion beobachtet. Und bereits bei einer der ersten Messungen stießen Walter und seine Kollegen auf die ungewöhnliche Quelle IGR J17497-2821. Die Intensität der Gammastrahlung stieg zunächst einige Tage lang kontinuierlich an, dann fiel sie über mehrere Wochen hinweg langsam wieder ab. "Nach einer Woche wussten wir, dass wir auf ein seltenes Ereignis gestoßen waren", so Walter - nämlich auf den Kollaps einer Materiescheibe um ein Schwarzes Loch.

Vermutlich handelt es sich bei IGR J17497-2821 um ein Doppelsystem, in dem sich ein Schwarzes Loch und ein sonnenähnlicher Stern auf einer engen Bahn gegenseitig umkreisen. Die starke Anziehungskraft des Schwarzen Lochs entreißt dem normalen Stern permanent Materie, die sich in einer schnell rotierenden Scheibe um das Schwarze Loch ansammelt. Aus dieser Scheibe strömt Materie in das Schwarze Loch hinein, wobei sie Röntgen- und Gammastrahlung aussendet.

Doch ab und an kommt es zu einer Katastrophe: Die gesamte Materiescheibe wird instabil, kollabiert und stürzt auf einen Schlag in das Schwarze Loch hinein. Dabei steigt die Strahlungsintensität um das Mehrtausendfache an. Warum es zu solchen Instabilitäten kommt, wissen die Astronomen bislang allerdings nicht. Die Forscher rechnen in unserer Milchstraße nur alle paar Jahre mit einem solchen Gamma-Ausbruch, deshalb ist die Entdeckung von IGR J17497-2821 so wertvoll für die Erforschung dieses Phänomens.