Saturnmond Titan: Es schneit Ethan

Die amerikanische Sonde Cassini hat eine riesige Ethan-Wolke über dem Nordpol des Saturnmonds Titan entdeckt. Vermutlich fällt aus dieser Wolke Ethan als Schnee auf den Pol des Himmelskörpers.

Tucson (USA) - Die Forscher hatten seit langem große Ethan-Vorkommen auf Titan vermutet, bislang jedoch vergeblich danach gesucht. Das Cassini-Team berichtet im Fachblatt "Science" über die Entdeckung.

"Vor Cassini haben wir mit Ethanwolken in allen Breitengraden und mit ausgedehnten Ethan-Seen auf der Oberfläche von Titan gerechnet", erläutert Teammitglied Caitlin Griffith von der University of Arizona. Denn Ethan entsteht in der Hochatmosphäre Titans aus Methan, einem Hauptbestandteil der Atmosphäre des Saturnmonds. Doch die Aufnahmen Cassinis zeigten weder Ethan-Wolken noch Ethan-Seen.

Jetzt scheint das Rätsel gelöst. "Unsere Beobachtungen lassen vermuten, dass sich das Ethan vor allem in den Polregionen befindet", so Griffith. Luftströmungen in der oberen Atmosphäre, so vermuten die Forscher, transportieren das Gas zu den Polen, wo es dann kondensiert und dichte Wolken bildet. "Wir glauben, dass es am Nordpol Titans derzeit regnet oder, wenn die Temperaturen niedrig genug sind, schneit." Dadurch könnten sich dichte Eiskappen aus Ethan an den Polen bilden.

Allerdings wirft dies ein neues Problem auf. Wenn nämlich seit der Entstehung Titans vor 4,5 Milliarden Jahren Ethan in der heute beobachteten Menge an den Polen niedergegangen ist, müsste sich dort inzwischen eine zwei Kilometer dicke Ethanschicht abgelagert haben. Zumindest für den Südpol sprechen die Cassini-Daten jedoch gegen eine solche Schicht. Die Forscher spekulieren nun, dass es auf Titan vulkanische Aktivität gibt, die erst in geologisch jüngerer Zeit Methan freigesetzt und so auch zur Entstehung des Ethans geführt hat.