Riesiger Gasball in fernem Galaxienhaufen

Eine gewaltige Gasansammlung hat ein internationales Forscherteam in dem 250 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxienhaufen Abell 3266 entdeckt. Der Gasball erstreckt sich über eine Ausdehnung von drei Millionen Lichtjahren und enthält das Milliardenfache der Sonnenmasse.

Gasball im Galaxienhaufen Abell 3266
Gasball im Galaxienhaufen Abell 3266

Garching/Baltimore (USA) - Es handelt sich um die größte derartige Struktur, die jemals entdeckt wurde, berichten die Astronomen im Fachblatt Astrophysical Journal von ihrer mit dem europäischen Röntgensatelliten XMM-Newton gemachten Entdeckung.

"Die Größe und die Geschwindigkeit dieses Gasballs sind wirklich fantastisch", schwärmt Alexis Finoguenov vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik, einer der beteiligten Wissenschaftler. Die Gasansammlung rast mit einer Geschwindigkeit von 750 Kilometern pro Sekunde durch den Galaxienhaufen. "Hier wird sozusagen ein weiterer Baustein zur Entstehung von neuen Galaxien in dem Haufen angeliefert."

Abell 3266 enthält bereits mehrere hundert Galaxien, sowie eine große Menge an rund 100 Millionen Grad heißem Gas. Sowohl das Gas des Haufens als auch der rasende Gasball werden vermutlich durch die Anziehungskraft so genannten "Dunkler Materie" zusammengehalten. Dabei handelt es sich um eine rätselhafte Substanz aus bislang unbekannten Elementarteilchen, die ausschließlich über die Gravitation mit normaler Materie in Wechselwirkung tritt. Im Kosmos gibt es nach heutigen Erkenntnissen etwa fünfmal soviel "Dunkle Materie" wie gewöhnliche Materie.

"Für uns ist nicht nur die Größe dieses Gasballs von Interesse, sondern vor allem die Rolle, die ein solches Gebilde bei der Entstehung und Entwicklung von Strukturen im Kosmos spielt", so Francesco Miniati von der ETH Zürich, der ebenfalls an den Beobachtungen beteiligt war. Möglicherweise ist der Gasball vor Milliarden von Jahren beim Zusammenprall zweier Galaxienhaufen entstanden. In Abell 3266 ist er vor zwei Milliarden Jahren eingedrungen, inzwischen hat er das Zentrum des Haufens erreicht.