Pulsar taucht in Sternenring

Einen Pulsar, der alle 3,4 Jahre in den Gasring um einen Stern taucht, haben europäische Astronomen mit dem Röntgensatelliten XMM-Newton entdeckt. Beim Durchqueren des Gasrings sendet der Pulsar Röntgen- und Gammastrahlung aus.

Versoix (Schweiz)/Paris (Frankreich) - Die Forscher, die im Fachblatt "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" über ihre Entdeckung berichten, erhoffen sich aus der Beobachtung des seltsamen Gespanns neue Erkenntnisse über den von Pulsaren ausgehenden "Wind" aus hochenergetischen Teilchen.

"Trotz zahlloser Beobachtungen ist die Physik solcher Pulsar-Winde bislang ein ungelöstes Rätsel", erklärt Masha Chernyakova vom Integral Science Data Centre im schweizerischen Versoix, eine der beteiligten Forscherinnen. "In diesem System bietet sich uns die seltene Gelegenheit, den Zusammenstoß des Pulsar-Windes mit dem von dem Stern ausgehenden Gasstrom zu beobachten."

Pulsare sind schnell rotierende Neutronensterne, Überreste kollabierter Sterne, in denen die Materie so dicht gepackt ist wie in Atomkernen. Bei einer Masse, die einer üblichen Sonnenmasse entspricht, haben Neutronensterne einen Durchmesser von nur 25 Kilometern. Der von Chernyakova und ihren Kollegen beobachtete Pulsar PSR B1259-63 befindet sich 5000 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild "Kreuz des Südens".

Dort umkreist er den massereichen Stern SS 2883, der so rasch rotiert, dass er stark abgeplattet ist. Durch die schnelle Drehbewegung verliert der Stern an seinem Äquator ständig Materie, die sich in einem Gasring um ihn herum ansammelt. In diesen Gasring taucht der Pulsar auf seiner stark elliptischen Bahn alle 3,4 Jahre, zweimal im Abstand weniger Monate ein -- immer wenn er den dem Stern am nächsten gelegenen Punkt seiner Bahn passiert.