Planetenjagd für Jedermann

Knapp 200 Planeten bei anderen Sternen haben die Astronomen innerhalb der vergangenen zehn Jahre entdeckt. Doch sind diese Planeten typische Vertreter ihrer Gattung? Oder führen Auswahleffekte dazu, dass wir ein falsches Bild von der Statistik der "Exoplaneten" erhalten? Diese Fragen wollen jetzt amerikanische Forscher beantworten und suchen dafür fleißige Helfer.

Santa Cruz (USA) - In einem "öffentlichen Experiment" sollen Experten und Laien nach Exoplaneten in synthetischen Daten suchen und so eventuell vorhandene, subtile Auswahleffekte entlarven.

"Wie gut sind wir darin, ungewöhnliche Systeme zu entdecken? Sterne mit drei Planeten zum Beispiel? Es gibt viele solcher Fragen, die sich mit einer umfangreichen Simulation beantworten lassen sollten", erklärt Gregory Laughlin, der das Projekt "Systemic" leitet. "Wir sind dabei auf eine Mitwirkung der Öffentlichkeit angewiesen, weil die interessantesten Systeme am schwierigsten zu enträtseln sind -- automatische Methoden versagen dabei oft."

Deshalb müssen auch die professionellen Planetenjäger die Daten oft individuell "per Hand" interpretieren -- und dabei können ganz subjektive Einflüsse eine Rolle spielen. Hinzu kommen Auswahleffekte durch das Verfahren -- massereiche Planeten auf engen Umlaufbahnen rufen größere Effekte hervor und verraten sich deshalb leichter -- und durch die ungleichmäßigen Verteilungen der Beobachtungszeiten und -orte.

Laughlin und seine Kollegen haben deshalb im Computer eine künstliche Galaxie aus 100.000 Sternen mit unterschiedlichsten Planetensystemen erschaffen. Dann haben die Forscher typische Beobachtungen dieser Systeme simuliert. Interessierte können diese simulierten Beobachtungen, sowie ein Programm zur Analyse der Daten von der Website des Projekts (oklo.org) herunterladen. Das Programm bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, die Parameter eines Planetensystems -- Anzahl, Massen, Umlaufbahnen der Planeten -- zu variieren und so zu versuchen, eine Übereinstimmung mit den simulierten Beobachtungsdaten zu erzielen. Noch ist das Projekt Systemic in der Testphase, in der es vorrangig um den Aufbau einer zuverlässigen Basis von Teilnehmern geht, so Laughlin. Die ersten virtuellen Daten sollen voraussichtlich Ende November zur Analyse freigegeben werden.