Neutronenstern mit Bugwelle

Amerikanische Astronomen haben eine Art "Bugwelle" entdeckt, die ein Neutronenstern in das interstellare Gas pflügt. Doch die Bugwelle zeigt zur Verwirrung der Forscher in die falsche Richtung.

Cambridge (USA) - Möglicherweise hat sich der Vorgängerstern, aus dem der Neutronenstern entstanden ist, vorher bereits mit hoher Geschwindigkeit bewegt, spekulieren die Astronomen. Rund zehn Jahre weiterer Beobachtungen sind nötig, um diese Hypothese zu überprüfen.

"Diese Bugwelle erlaubt uns Rückschlüsse auf das Gas, durch das sich der Neutronenstern bewegt", erläutert Bryan Gaensler vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics im amerikanischen Cambridge die Bedeutung der Beobachtungen. "Allerdings wissen wir bislang nicht, wie der Neutronenstern überhaupt an seinen jetzigen Ort gekommen ist." Gaensler und sein Team haben den Neutronenstern J0617 mit dem Röntgensatelliten Chandra beobachtet. Er befindet sich am äußeren Rand der expandierenden Gasblase IC 443, dem Überrest eines explodierten Sterns ("Supernova").

Neutronensterne entstehen bei der Explosion sehr massereicher Sterne am Ende ihres Lebens. Während die Explosion die äußeren Teile des Sterns zerfetzt und ins All hinaus schleudert, kollabiert das Sterneninnere zu einem extrem kompakten Objekt. In einem solchen Neutronenstern ist die Materie so dicht gepackt wie in den Atomkernen. Da die Explosion im Allgemeinen nicht kugelsymmetrisch verläuft, erhält der Sternenüberrest einen "Kick", der ihn durchs All katapultiert.

Die Astronomen sind deshalb davon überzeugt, dass der Neutronenstern J0617 vor rund 30.000 Jahren bei der Explosion jenes Sterns entstanden ist, dessen Überreste heute als Gaswolke IC 443 aufleuchten. Das Problem: Die "Bugwelle", die der Neutronenstern bei seiner rasanten Bewegung durch die Gaswolke pflügt, steht nahezu senkrecht zur Richtung auf das Zentrum der Gaswolke, also den vermeintlichen Entstehungsort des Neutronensterns. Eine mögliche Erklärung wäre, dass der Stern sich bereits vor seiner Explosion mit hoher Geschwindigkeit bewegt hat. Dann nämlich wäre das heutige Zentrum der Gaswolke IC 443 nicht mit dem Ort der Supernova-Explosion identisch.