Neue Bilder vom Mars-Gesicht

Seit 30 Jahren sorgt eine Gebirgsformation in der Region Cydonia auf dem Mars für Mythen und Verschwörungstheorien: Es handele sich, so die Spekulationen, um das von außerirdischen Intelligenzen geschaffene Abbild eines Gesichts. Jetzt belegen neue Aufnahmen der europäischen Sonde Mars Express einmal mehr, dass es sich nicht um eine künstliche Struktur, sondern lediglich um verwitterte Höhenzüge auf einer Art Tafelberg handelt.

Berlin/Paris (Frankreich) - Die ersten Bilder des "Marsgesichts" hatte die US-Sonde Viking 1 im Juli 1976 geliefert. Für die Planetenforscher war von Anfang an klar, dass es sich bei dem verblüffenden Aussehen des Gebirgszugs um einen Zufall handelt, verstärkt durch einen günstigen Lichteinfall. Doch aufgestachelt durch unseriöse Berichte in der Boulevard-Presse bildete sich eine eingeschworene Gemeinde von Anhängern der Außerirdischen-Hypothese. Daran konnte auch die Sonde Mars Global Surveyor nichts ändern, die 1998 und 2001 sehr viel detailliertere Bilder der Region aus unterschiedlichen Perspektiven und bei unterschiedlichem Lichteinfall lieferte. Die Bilder zeigten eine erodierte Gebirgslandschaft, von einer Ähnlichkeit mit einem Gesicht war kaum noch etwas zu bemerken.

"Ich habe hunderte von E-Mails bekommen. 'Warum fotografiert ihr nicht Cydonia, wir glauben der Nasa nicht!'", berichtet Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin, unter dessen Leitung die hochauflösende Superkamera HRSC des Mars Express entwickelt wurde. Doch stets flog die Sonde entweder zu hoch über die Region hinweg oder Staub und Dunst verschleierten den Blick. Erst am 22. Juli gelangen unter perfekten Bedingungen die ersten Aufnahmen der Cydonia-Region mit der HRSC. Die neuen Bilder haben eine Auflösung von 13,7 Metern.

Die Anhänger des Mars-Gesichts werden sich freilich auch von diesen spektakulären Bildern nicht überzeugen lassen: In einschlägigen Internetforen wird darüber diskutiert, wie Nasa und Esa ihre Bilder manipulieren, um den wahren Ursprung des Gesichts zu verschleiern. Die Forscher nehmen´s gelassen: "Wir haben diese Aufnahmen nicht für die Fans des Gesichtsmythos gemacht", erklärt Esa-Wissenschaftler Agustin Chicarro, "diese Region ist für die Planetengeologen von großem Interesse." Denn sie befinde sich in einer Übergangszone zwischen den südlichen Hochländern und den nördlichen Tiefebenen des Mars und liefere neue Erkenntnisse über die Erosionsprozesse auf dem roten Planeten.