Milchstraße: Millionen unentdeckter Sterne

Vor 400 Jahren erkannte Galileo Galilei, dass das schimmernde Band der Milchstraße aus Myriaden von Sternen besteht. Jetzt gelang es einem internationalen Forscherteam zu zeigen, dass sich auch der "Röntgenschein" der Milchstraße aus individuellen Strahlungsquellen zusammensetzt: Millionen bislang unentdeckter Sterne senden die Röntgenstrahlung aus.

Überlagerte Röntgen- und IR-Aufnahme der Milchstraße
Überlagerte Röntgen- und IR-Aufnahme der Milchstraße

Garching/Moskau (Russland) - Es handelt sich vor allem um so genannte Weiße Zwerge, leuchtschwache Sterne am Ende ihres Lebens. Die Astronomen präsentieren ihre Beobachtungen demnächst im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics". "Aus einem hoch fliegenden Flugzeug kann man den diffusen Schein einer Stadt erkennen", vergleicht Mikhail Revnivtsev vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching bei München die Situation, "erst aus der Nähe erkennt man die einzelnen Lichter." An der Auswertung der mit dem amerikanischen Röntgensatelliten "Rossi" gewonnenen Daten waren neben Revnivtsev weitere Forscher des MPI und der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau beteiligt.

Frühere Beobachtungen hatten nicht genügend individuelle Röntgenquellen in der Milchstraße ausfindig gemacht, um den diffusen Röntgenschein damit zu erklären. Daraus hatten die Astrophysiker den Schluss gezogen, dass die Röntgenstrahlung von heißem Gas zwischen den Sternen stammen müsse. Doch diese Erklärung war problematisch: Das heiße Gas müsste eigentlich aus der Milchstraße abströmen. Millionen von Sternexplosionen müssten ständig heißes Gas nachliefern - was in völligem Widerspruch zu sonstigen Erkenntnissen über die Sternentwicklung in der Milchstraße steht.

Die neue Untersuchung von Revnivtsev und seinen Kollegen basiert auf über einen Zeitraum von zehn Jahren mit dem Rossi-Satelliten gesammelten Daten. Die daraus gewonnene, bislang detailreichste Röntgenkarte der Milchstraße zeigt, dass der Röntgenschein von vielen Millionen schwachen Sternen stammt. Nach Ansicht der Forscher handelt es sich dabei vor allem um alte Weiße Zwerge, Sterne also, in denen das Feuer der Kernfusion bereits erloschen ist. Die Zwergsterne bilden mit einem weiteren Stern ein Doppelsystem. Sie entreißen ihrem Partner ständig Materie und bei diesem Vorgang entsteht die Röntgenstrahlung. Offenbar haben die Astrophysiker die Zahl solcher "kataklysmischer Doppelsterne" in unserer Milchstraße bislang erheblich unterschätzt.