Klausuren, Gold und Zitronen – die Europäische Science Olympiade

Die European Union Science Olympiad (EUSO) ist ein Schülerwettbewerb der etwas anderen Art. Denn bei diesem Teamwettkampf sitzt nicht jeder allein vor seinen Aufgaben sondern man löst die Probleme zu dritt. Dabei bringt jedes Teammitglied – je ein junger Experte für Biologie, Chemie und Physik – sein Fachwissen ein und gemeinsam entwickelt die Gruppe eine Lösung zu den fachübergreifenden Klausuren. Eine Schülerin und ein Schüler erzählen von ihren Erfahrungen.

Schülerin in weißem Kittel und mit Schutzbrille. Sie hält eine Pipette in der Hand und schaut sehr konzentriert. Hinter ihr steht ein Junge in weißem Kittel und mit Schutzbrille. Im Hintergrund ist ein Wasserhahn zu sehen.
Vorbereitungen für die EUSO

Vom 17. bis zum 24. März 2013 fand die 11. EUSO in Luxemburg statt. Zu sechst, in zwei deutschen Teams mit je drei Nachwuchsforschern, wollten wir die Europäische Science Olympiade in diesem Jahr erobern. Wir hatten uns in den Auswahlrunden in Deutschland kennengelernt und freuten uns auf ein Wiedersehen im Zug nach Luxemburg. Gemeinsam mit unseren Betreuern überlegten wir auf der Fahrt, welche Wettbewerbsaufgaben uns wohl erwarten würden. Welche Themen könnten zu Luxemburg passen? Die Weinherstellung vielleicht? Oder etwa die Stahlindustrie? Wir hatten keine Ahnung, es könnte alles Mögliche sein.

Warum jedes Team einen Blumentopf bekam 

Foto von sechs Schülern und vier Erwachsenen, wie sie im Vordergrund einer Treppe posieren.
Die deutsche Delegation in Luxemburg

Am ersten Tag wurden wir in Luxemburg mit einer Eröffnungszeremonie in der Philharmonie begrüßt. Ein Geschichtslehrer erzählte uns zunächst etwas über die luxemburgische Geschichte, danach wurden alle Teilnehmer mit einem kurzen Video vorgestellt. Etwas überrascht waren wir, als jedes Team einen Blumentopf überreicht bekam. Aber der Blumentopf war nicht Teil des eigentlichen Wettbewerbs, sondern sollte bis zum Ende gut gepflegt werden und das Wachsen und Erblühen von Wissen und Freundschaft symbolisieren. Tatsächlich nutzten wir den ersten Abend, um die andern Teams und ihre Teilnehmer kennenzulernen und die ersten neuen Freundschaften wurden geschlossen. Trotzdem blühten am Ende der Woche nur die Osterglocken in einem unserer Blumentöpfe, doch lag dies wohl eher an den winterlichen Temperaturen als an unserem grünen Daumen.

Die Klausuren und das „Nachspeisenfest“

Glasgefäß mit blauer Flüssigkeit auf einem Tisch. Aufschrift: „EUSO 2013, Luxembourg, we are coming“.
Ankündigung

Am nächsten Tag erwartete uns die erste Klausur. Das Thema war Silizium. Wir waren etwas überrascht aber konnten uns schnell damit anfreunden und mit den Aufgaben beginnen. Die Chemiker unter uns versuchten, den Siliziumdioxidgehalt von verschiedenen Wasserproben zu bestimmen, während die Biologen sich mit der Wassergüte zweier Luxemburger Flüsse beschäftigten, die wiederum vom Siliziumdioxidgehalt abhängt. Währenddessen bestimmten die Physiker den optimalen Arbeitspunkt und den Wirkungsgrad einer Siliziumsolarzelle. In der zweiten Klausur zwei Tage später ging es um das Thema Biogas. Das Luxemburger Komitee hatte offensichtlich erneuerbare Energien als übergeordnete Thematik gewählt.

Am nächsten Abend sollte jedes Team seine landestypischen Desserts zum International Evening mitbringen. Wir einigten uns schnell auf Nussecken, Kalten Hund, Grabower Schaumküsse und Rote Grütze. Für uns waren dies die idealen Vertreter der deutschen Nachspeisekunst. Aber auch die anderen Teams konnten ordentlich auftischen und so formte sich ein gigantisches Angebot, das den eigentlichen Hauptspeisen schnell die Show stahl. Türme von Waffeln, verschiedene Pralinen, Kuchen, Plätzchen, Kekse: Bekannte Spezialitäten aber vor allem auch allerhand neue aufregende Kreationen. Diese Chance wollten sich viele nicht entgehen lassen und manch einer änderte die übliche Vorspeise-Hauptspeise-Nachspeise-Ordnung in Nachspeise-Nachspeise-Nachspeise. Übrig blieb an diesem Abend nicht viel, es schien eindeutig geschmeckt zu haben.

Hoffen, dass man nicht aufgerufen wird

Endlich kam der Tag der Siegerehrung. Wir waren sehr aufgeregt und schlossen Wetten ab, welche Plätze wir belegen würden. Dabei kam einem von uns eine ganz schön saure Idee: „Wenn ich eine Goldmedaille bekomme, dann esse ich eine Zitrone!“, rief er und forderte sich damit selbst heraus. Präventiv deckten wir uns dann aber alle mit Zitronen ein, da wir entschieden, dass die Wette für das gesamte Team gelten sollte. Dass wir später tatsächlich alle sechs Zitronen aufessen würden, hätte keiner von uns gedacht.

Zwei Schüler und eine Schülerin stehen in einem Festsaal zusammen und halten gemeinsam einen Glaspokal hoch. Alle drei sehen glücklich aus und lächeln.
Siegerteam mit Wanderpokal

Vor der Medaillenvergabe wurden noch einige Reden geschwungen, sogar Prinz Guillaume von Luxemburg stattete uns einen kurzen Besuch ab. Dabei mussten wir alle aufstehen, als er den Saal betrat und durften uns erst setzen, nachdem er sich selbst hingesetzt hatte. Als er wieder ging, mussten wir auch wieder alle aufstehen. Wir fanden das aber ganz lustig und machten eifrig mit.

Als es endlich mit der Medaillenvergabe los ging, stieg die Spannung schnell an. Zuerst wurden die Bronzemedaillen verteilt. Keiner von uns wurde aufgerufen, war nur bedeuten konnte, dass wir alle mindestens eine Silbermedaille bekommen würden! Dann ging es mit den Silbermedaillen weiter. Bei jedem Namen hofften wir, dass wir nicht die nächsten sein würden. Und dann war nur noch eine Silbermedaille zu vergeben – und sie ging nicht an uns. Wir würden also alle eine Goldmedaille erhalten! Als wir schließlich als bestes und zweitbestes Team aufgerufen wurden und unseren Punktestand erfuhren, freuten wir uns sehr.

Sechs Schüler posieren für ein Foto und tragen Goldmedaillen um den Hals. Einige von den Schülern beißen mit ihren Zähnen auf die Medaille.
Die Gewinner

Die Ergebnisse unserer beiden Teams unterscheiden sich kaum voneinander und wir hatten einiges an Abstand zum Nächstplatzierten. Wir waren sehr zufrieden und der Abend verlief weiter mit einem Händeschüttelmarathon aller Beteiligten, Interviews und Gespräche mit der adligen Familie inklusive. So wurde Luxemburg für uns ein wahres ein Gold- und Abenteuerland.

Nach ausgelassenem Feiern und einer spontanen, nächtlichen Schneeballschlacht mussten wir uns am nächsten Morgen von den anderen Teams verabschieden. Diese EUSO-Woche war wirklich ein einmaliges Erlebnis für uns! Wir haben so viele neue Erfahrungen gemacht, neue Freundschaften geschlossen und einiges erlebt. Hoffentlich können noch viele weitere Jahrgänge Freude an der EUSO haben!

Die nächste EUSO findet im April 2014 in Athen in Griechenland statt. 

Wie kann ich bei der EUSO mitmachen?

Grundsätzlich steht die EUSO allen Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen im Alter bis zu 16 Jahren offen, die es in einer der drei naturwissenschaftlichen Olympiaden in Physik (IPhO), Chemie (IChO) oder Biologie (IBO) in die dritte Runden schaffen.

Die Anforderungen in der letzten, internationalen Runde der EUSO gehen schon über das Abiturwissen in Physik, Chemie und Biologie hinaus. In allen Fächern sollen die Jugendlichen experimentelle Aufgaben lösen und die erhaltenen Messwerte ganz genau auswerten, was auch gute Kenntnisse in Mathematik voraussetzt.

Die Aufgaben der zurückliegenden Olympiaden findet man auf der deutschen EUSO-Website vom Leibniz-Institut für die Pädagogik von Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel.