Kugellagermotor-Versuchsaufbau

Das International Young Physicists' Tournament 2013

Das International Young Physicists' Tournament (IYPT) ist ein jährlicher Mannschaftswettbewerb für Schüler, der jedes Jahr an einem anderen Ort der Welt ausgetragen wird. Im Jahr 2012 fand das Turnier in Deutschland statt, worüber auch bei Detektor berichtet wurde. Alle Teams der etwa 30 teilnehmenden Länder bearbeiten im Vorfeld 17 physikalische Aufgabenstellungen, auf die sie sich ein Jahr lang vorbereiten können.

Ihre Lösungen verteidigen sie auf dem Turnier in „Physics Fights“ gegen die internationalen Gegner. Hierbei nehmen die Teams in verschiedenen Fights die Rollen des „Reporter“, des „Opponent“ oder des „Reviewer“ an. Während ein Reporter, herausgefordert von einem Opponent, sein Experiment und die Ergebnisse vorstellt und verteidigt, vergibt der Reviewer für diesen Austausch eine Bewertung.

Im folgenden Artikel berichtet Michael Kern, Teamleiter des deutschen Teams, über seine Erfahrungen während des Wettbewerbs in Taiwan.

Vorbereitung

Nachdem das fünfköpfige deutsche Team (Marcel Neidinger, Lars Dehlwes, Mats Ellenberg, Yiyang Huang und Michael Kern) im letzten von drei Auswahlseminaren aus den anfangs etwa 20 interessierten Schülern ausgewählt worden war, begann einen Monat vor Wettbewerbsbeginn die heiße Vorbereitungsphase.

Linke Hälfte: Honig fließt von einem Messer auf Toast und rollt sich dabei spiralförmig auf. Rechte Hälfte: Der gleiche Effekt mit einem transparenten Öl.
Honigspirale

Weshalb spult sich Honig, wenn dieser auf ein Brot fließt, in einer Spirale auf? Dieses und andere der 17 spannenden Wettbewerbsprobleme hatten wir schon während des Auswahlverfahrens ausführlich bearbeitet.

Andere Projekte, wie zum Beispiel die Untersuchung und Bestimmung der Charakteristika eines Kohlemikrofons befanden sich jedoch noch in der Anfangsphase, weshalb wir uns nun sehr intensiv mit ihnen beschäftigen mussten. Dazu wurden wir an unseren Schulen vom Unterricht befreit und trafen uns im letzten Monat vor dem Wettbewerb beinahe durchgehend am Schülerforschungszentrum Südwürttemberg (SFZ) in Ulm zur Bearbeitung der Projekte.

Dort bereiteten wir die Präsentationen für den Wettbewerb vor und führten fehlende Messungen durch. Nebenbei blieb keine Zeit für Freizeitaktivitäten, sodass die Vorbereitung auch nur einmal täglich zum Einkaufen unterbrochen wurde. In der letzten Woche vor dem Abflug nach Taiwan stellten wir dann die Experimente ein und begannen mit dem englischen Sprachtraining und der Verbesserung der Präsentationen. Nach einigen durchwachten Nächten bei Cola und Chips kam der Tag der Abreise dann jedoch für alle viel zu schnell …

Der Wettbewerb

Ein kleiner Versuchsaufbau mit Holzgerüst und metallischen gelagerten Teilen sowie elektrischen Anschlüssen.
Ball bearing motor

Einen Tag vor Wettbewerbsbeginn landete unser Team in Taiwan. Dort wurden wir überschwänglich von unserem lokalen Guide begrüßt, der uns die ganze Zeit während des Wettbewerbs begleitete. Vom Flughafen aus fuhren wir zusammen mit anderen eingetroffenen Teams zum Universitätsgelände, an dem der Wettbewerb stattfand. Dort angekommen mussten wir uns aber erst einmal an die Enge der asiatischen Studentenwohnheime gewöhnen. Die Wettbewerbsräume ließen sich von dort jedoch praktischerweise zu Fuß erreichen.

Bei der Zuteilung unserer Gruppengegner hatten wir Glück und erhielten größtenteils mittlere bis starke Gegner (wie zum Beispiel Brasilien oder Korea). Mit diesen Mannschaften als Gegner erwarteten wir eine fachlich hochwertige Diskussion der Projekte.

Eine dünne CD-Hülle, in der sich Licht in farbigen Reflexen spiegelt.
Coloured Plastic

Während der Wettbewerbsrunden hatten wir dann jedoch mehrmals das Pech, bei unseren weniger gut bearbeiteten Projekten herausgefordert zu werden. Hierzu zählten beispielsweise die Untersuchung des Schwingungsverhaltens eines Schlauchs, durch den Wasser fließt, oder das Kollisionsverhalten von flüssigkeitsgefüllten Tischtennisbällen. Für die Präsentation dieser Projekte erhielten wir, wie erwartet, nur wenige Punkte. Bei anderen Projekten, wie der Untersuchung von Soliton-Wellen an einer Reihe von verbundenen Pendeln, konnten wir uns bei der Präsentation und der anschließenden Diskussion mit dem polnischen Team gut behaupten und erhielten hierfür eine gute Punktzahl. Durch die gute Vorbereitung in der Rolle des Opponent und des Reviewers war es uns weiterhin in den meisten Runden möglich, in dieser Rolle viele Punkte für unsere Präsentationen zu erhalten.

Videoausschnitt einer Hochgeschwindigkeitsaufnahme eines gespannten Rings, der losgelassen wurde und nach oben springt.Springender Ring
Hochgeschwindigkeits­aufnahme eines elastischen Rings beim Sprung

Sieger des diesjährigen Wettbewerbs war das Team aus Singapur, gefolgt von dem koreanischen und dem schweizerischen Team. Unser Team erreichte das Finale leider nicht. Dennoch erhielten wir mit dem neunten Platz eine Silbermedaille.

Insgesamt hat sich der Wettbewerb für uns sehr gelohnt, da wir trotz der angespannten Stimmung während der Fights schon in den Pausen erste freundschaftliche Kontakte zu Teilnehmern der anderen Teams knüpfen konnten. Um diese Kontakte zu verstärken fanden während unserer Zeit in Taiwan weitere gemeinsame Aktivitäten statt, bei denen man das Land sowie die Teilnehmer besser kennenlernen konnte.

Begleitendes Programm während des Wettbewerbs

Blick auf einen komplizierten Aufbau aus Röhren und Anschlüssen auf einem großen Tisch, mit viel Silberfolie verkleidet.
National Synchrotron and Radiation Research Center

Während der Wettbewerbstage hatten wir als Teilnehmer die Möglichkeit, verschiedene wissenschaftliche Institutionen wie zum Beispiel das „National Synchrotron Radiation Research Center“ zu besuchen. Dort bekamen wir durch Führungen einen Einblick in die aktuelle Forschung zur Strukturuntersuchung von Materialien mit Hilfe von Röntgenstrahlung.

Da wir während der Wettkämpfe wenig Zeit zum Entspannen hatten, gab es nach dem Wettbewerb außerdem ein zusätzliches Rahmenprogramm, bei dem wir einen traditionellen Markt, einen Nationalpark und als Highlight den Wolkenkratzer Taipei 101, eines der höchsten Gebäude der Welt, besichtigten.

Blick auf ein großes Hochhaus von unten in der Abenddämmerung.
Wolkenkratzer Taipeh 101

Während dieser Ausflüge konnte man in angenehmer Atmosphäre seine vorherigen Gegner besser kennen lernen. So entstand ein angenehmer kultureller Austausch mit Gleichgesinnten. Bemerkenswert war hierfür die freundliche Stimmung in der gesamten Teilnehmergruppe trotz der erbitterten Fights zuvor.

Neben den Exkursionen konnten wir außerdem durch einen traditionell errichteten Essensmarkt auf dem Campusgelände der Universität die kulinarischen Besonderheiten des Gastgeberlandes erkunden.

Bei der Abschiedsparty am letzten Abend der Veranstaltung feierten wir zum letzten Mal mit den neu gewonnen Freunden. Die Stimmung war jedoch etwas gedrückt, da es niemand richtig fassen konnte, dass die gemeinsame Zeit schon vorbei war.

Ein Marktstand mit vielen Gewürzen und Gemüsesorten.
Auf dem Markt

Am nächsten Tag begaben wir uns dann etwas müde, aber glücklich auf unsere Heimreise. Auch als wir während des Rückflugs die gesamte Zeit noch einmal Revue passieren ließen, wurde uns klar, dass sich alle Anstrengungen gelohnt hatten.

Für die nächste Wettbewerbsrunde sind die neuen Aufgabenstellungen seit August 2013 veröffentlicht. Um das deutsche Team auszuwählen, findet dieses Jahr zum ersten Mal der Auswahlwettbewerb „German Young Physicists' Tournament“ (GYPT) vom 11. bis 13. April in Kassel statt. Wer ebenfalls Interesse an der Aufgabenbearbeitung hat, kann an einem der GYPT-Standorte ebenfalls Projekte für den Wettbewerb bearbeiten und am Auswahlwettbewerb teilnehmen.