Ein Plastikmodell einer Erntemaschine ist in einen kleinen Windkanal eingespannt. Von links strömt gut sichtbarer Dampf um das Modell, im Hintergrund das Gesicht eines jungen Mannes mit Kopfhörern, der den Aufbau aufmerksam betrachtet.

Das Schülerforschungszentrum Südwürttemberg: ein Treffpunkt für junge Tüftler

Du bist an Naturwissenschaften interessiert und gehst den Dingen gerne auf den Grund? Du arbeitest gerne mit anderen Jugendlichen zusammen an spannenden Experimenten und interessanten Fragestellungen? Dann bist du am Schülerforschungszentrum Südwürttemberg (kurz SFZ) genau richtig!

Das Schülerforschungszentrum Südwürttemberg bietet jungen Menschen die Gelegenheit, sich mit naturwissenschaftlichen und technischen Projekten zu beschäftigen, die weit über die Inhalte des Schulunterrichts hinausgehen. Deinen Interessen in den Bereichen Physik, Mathematik, Chemie, Biologie, Technik und Informatik sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Ideen für ein Forschungsprojekt kann jeder selbst mit einbringen oder gemeinsam mit einem Lehrer erarbeiten.

Beliebt ist bei jüngeren Schülern zum Beispiel der Bau und die Programmierung eines eigenen Roboters. Weitere Untersuchungsideen sind das Verhalten eines Rings aus Plexiglas mit ungleichmäßiger Masseverteilung oder die Bewegung eines hängenden, Wasser fördernden Schlauchs. Je nach Wunsch kann man sowohl selbstständig als auch im Team an einem Projekt arbeiten. Unterstützt und betreut werden die Schüler dabei von Studenten, Lehrern, sowie anderen wissenschaftlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Sechs junge Männer im Anzug stehen frühlich vor einem Schuleingang und halten eine Deutschland-Fahne. Das Tor hinter ihnen ist mit einem Schild dekoriert: „Welcome to the 27th International Young Physicists' Tournament. Shrewsbury School, United Kingdom.“
Das deutsche Team beim IYPT 2014

Ein besonderer Ansporn ist die Teilnahme an verschiedenen nationalen und internationalen Wettbewerben, wie beispielsweise „Jugend forscht“, dem „IYPT“ (International Young Physicists' Tournament), der „ICYS“ (International Conference of Young Scientists) oder der „IPhO“ (Internationale Physikolympiade), wo eigene Forschungsergebnisse präsentiert werden können.

Wie entstand das Schülerforschungszentrum?

Die Idee hinter dem Schülerforschungszentrum ist die Förderung besonders interessierter und begabter Schüler. Sie stammt von Rudolf Lehn, dem die außerschulische Weiterbildung dieser Schüler, vor allem im Fach Physik, besonders am Herzen liegt.

Alles begann mit einer Physik-AG, die 1977 in Bad Saulgau gegründet wurde. Ursprünglich sollte sie Schüler bei ihrer Vorbereitung auf die IPhO unterstützen. Da die Interessen der Schüler jedoch sehr vielfältig sind und sich innerhalb einer Schule kaum überschneiden, kam dem langjährigen Physiklehrer Rudolf Lehn die Idee einer schulübergreifenden Förderung talentierter Schüler mit gegenseitigem Austausch.

Von nun an trafen sich Interessierte aus ganz Oberschwaben und dem Bodenseeraum im Welfen-Gymnasium in Ravensburg. In Ulm wurde man schnell auf das Konzept aufmerksam und war sofort davon begeistert. Nachdem die Ulmer Lehrer auch in ihrer Stadt ein solches Förderzentrum einrichten wollten, wurde es 1990 schließlich ans Ulmer Kepler-Gymnasium verlegt.

Bis 2002 konnten Schüler auch in Bad Saulgau rund um die Uhr forschen, indem sie sogar in der Schule übernachteten. 2002 wurde dort schließlich das erste offizielle Schülerforschungszentrum Südwürttemberg in eigenen Räumen eingerichtet. Erstmals standen den jungen Forschern eigene Laborräume zur Verfügung. Mittlerweile gibt es viele weitere SFZ-Standorte, an denen aktuell etwa 35 Lehrer sowie zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter bei der Betreuung der Schüler mithelfen.

Lehns Konzept war ein Erfolg, wie sich auch durch zahlreiche Erfolge bei Wettbewerben zeigte, etwa den jeweils ersten Plätzen der deutschen Mannschaft beim IYPT in den Jahren 1995, 1999, 2003, 2005 und 2008. Dieser Teamwettbewerb, der vollständig in englischer Sprache abläuft, ist vergleichbar mit einem Turnier, auf dem sich junge Talente aus der ganzen Welt treffen.

Ein junger Mann arbeitet an einer Apparatur, in der eine klare, ölige Flüssigkeit aus einem Behälter in eine Schale läuft und beim Auftreffen springt. Eine Kamera ist auf den Versuchsaufbau gerichtet.
Experimente mit Flüssigkeiten

Nach 37 Jahren verabschiedet sich der Gründer Rudolf Lehn nun in den Ruhestand und gibt die Gesamtleitung ab. Sein Nachfolger ist der Ochsenhausener Lehrer Tobias Beck, der als Schüler selbst regelmäßig am SFZ in Ulm forschte.

Sei dabei!

Da die Nachfrage nach jungem talentiertem Nachwuchs in den naturwissenschaftlich-technischen Berufsfeldern selten so hoch war wie heute, wird das SFZ neben seinem Trägerverein von zahlreichen Sponsoren unterstützt, darunter auch der Staat, verschiedene Stiftungen und große Unternehmen wie Liebherr, Claas und Bosch.

Die Schüler werden durch ihre praktische und theoretische Arbeit im SFZ umfassend auf ein technisches Studium vorbereitet, weshalb auch Universitäten und Hochschulen von der Institution begeistert sind. Besondere Kennzeichen des SFZ sind der Spaß mit anderen Schülern und die Freude am Experimentieren. Das SFZ bietet einen Treffpunkt, der Gleichgesinnten die Möglichkeit gibt, ihren Interessen nachzugehen.

Neben dem Hauptsitz des Schülerforschungszentrums Südwürttemberg in Bad Saulgau gibt es weitere Standorte in Tuttlingen, Überlingen, Ulm, Tübingen, Wangen, Friedrichshafen und Ochsenhausen. Interessierte Schüler aller Altersklassen, vom Grundschulalter bis zur Oberstufe, können das SFZ kostenlos besuchen.

Drei Kinder, im Vordergrund ein junges Mädchen, halten aus zusammengeklebten Pappbechern gebaute Lochkameras vor das Gesicht und schauen erstaunt von einem Balkon in die Ferne.
Lochkameras für kleine Forscher

Jedes Schülerforschungszentrum ist bestens ausgestattet, damit dem Experimentieren nichts im Wege steht. Ein Windkanal beispielsweise ermöglicht den Schülern, aerodynamische Untersuchungen durchzuführen. Werden für ein Forschungsprojekt spezielle Materialien benötigt, werden diese selbstverständlich zur Verfügung gestellt.

In Ulm beispielsweise stehen den jungen Forschern seit der Gründung des SFZ im Frühjahr 2012 ausreichend Platz und Materialien zur Verfügung, um außerhalb des Schulunterrichts ihren Interessen nachzugehen. In den Räumen der Industrie- und Handelskammer (IHK) treffen sich zur Zeit ca. 60–70 Jugendliche im Alter zwischen 10 und 18 Jahren freitagnachmittags und am Wochenende, um an ihren Projekten zu arbeiten.

Fühlst du dich angesprochen und möchtest gerne einmal vorbeikommen? Sicher gibt es auch ein SFZ in deiner Nähe, wo jedes neue Gesicht herzlich willkommen ist. Spannende Forschungsprojekte warten auf dich!