Ein Gebäude in Form einer unten abgeschnittenen Kugel, umkleidet von Holzlamellen und warm beleuchtet, steht auf einer Wiese.

Mein Weg zum Netzwerk Teilchenwelt

Michael Bornholdt beschreibt in seinem Bericht, wie er seiner Faszination für die Physik gefolgt ist und über die Schule hinaus aktiv wurde: Im Netzwerk Teilchenwelt lernte er die Teilchenphysik kennen und hatte sogar die Chance, das CERN zu besuchen. Bei Detektor möchte er seine Erfahrungen weitergeben.

Naturwissenschaften haben mich schon immer interessiert, und so habe ich viele Bücher darüber gelesen und Fragen gestellt. So geht es sicherlich vielen Jugendlichen, die hoffen, einmal Wissenschaftler zu werden. Aber Bücher und Filme können es nicht ersetzen, die Wissenschaft selbst zu erleben und aktiv zu sein. Nicht umsonst heißt es in der Schule: Man lernt nicht für die Schule, sondern fürs Leben.

„Was-ist-was“-Bücher, Videos von Hank Green oder gute Noten in Physik sind hilfreich, aber sie sind auch längst nicht alles, was einem nach der Schule helfen kann, ein Praktikum, ein Stipendium oder einen Platz an einer guten Universität zu bekommen. Schon in der 11. Klasse spürte ich, dass es auf dem Weg zu einer erfolgreichen Karriere in der Physik mehr geben muss: Ich wollte immer mehr tun, als die Schule mir bot, aber was sollte das sein?

Drei Mädchen und vier Jungen sitzen und stehen gut gelaunt vor zahlreichen Monitoren in einem Kontrollzentrum und lächeln in die Kamera.
Teilnehmer an der Projektwoche bei CERN

Im Oktober 2013 wies mich mein Physiklehrer auf eine Veranstaltung namens „International Cosmic Day“ hin. Bei dieser Veranstaltung am Forschungszentrum DESY wurde ich das erste Mal mit dem konfrontiert, was dem Sprichwort nach „die Welt im innersten zusammenhält“: der Teilchenphysik. Ich hatte die Möglichkeit, die theoretischen Grundlagen zu verstehen und diese dann an einer Messung zu erfahren. Dabei haben wir mit zwei übereinander liegenden Platten kosmische Myonen gemessen und die Abhängigkeit der gemessenen Teilchenrate vom Einfallswinkel gemessen.

Mitmachen und Weiterkommen im NTW

Viele solcher Veranstaltungen werden vom Netzwerk Teilchenwelt (kurz NTW) unterstützt. Das NTW ermutigt Schüler zur Teilnahme und bietet Möglichkeiten, aktuelle Teilchenphysik kennenzulernen sowie gewonnene Erfahrungen an andere weiterzugeben. Von diesem Thema und dem Netzwerk dahinter begeistert, führte ich sogar an meiner Schule ähnliche Experimente mit Schulkameraden durch. Außerdem ging ich zu sogenannten Masterclasses des NTW, wo ich lernte, wie die größten Detektoren am CERN zusammengebaut sind und wie z. B. die Daten des ATLAS-Experiments ausgewertet werden. Obwohl ich zuvor wenig bis gar nichts von diesem Gebiet der Physik kannte, waren mir danach die Ergebnisse der größten Detektoren für die kleinsten Teilchen zugänglich. Auf der Website des NTW kann man Veranstaltungen in seiner Nähe finden.

Wandgemälde auf einem drei Stockwerke hohen Gebäude, das die innere Struktur eines Teilchendetektors zeigt.
ATLAS-Wandgemälde am CERN

Nach diesen ersten Schritten kann man sich für den Workshop, und danach für die Projektwochen, bewerben. Mit diesen Kursen kann man sogar das CERN besuchen und dort faszinierende Sachen erleben. Der krönende Abschluss für mich war zwei Projektwochen am CERN, in denen ich wissenschaftlich arbeiten und neue, coole Leute kennenlernen konnte. Ich habe mit einem neuen, für Schulzwecke entwickelten Detektor viele Messungen durchgeführt, um die Fähigkeiten des Gerätes zu testen. Bald werde ich, basierend auf dieser Arbeit, eine „besondere Lernleistung“ für die Schule abgeben, in der ich die gesammelten Messungen und Erkenntnisse vom CERN analysiere.

Die Bewerbung zu den Projektwochen ist recht simpel, da man den Mitarbeitern am CERN zu diesem Zeitpunkt schon vom Workshop bekannt ist. Es muss lediglich nachgewiesen werden, dass eine Forschungsarbeit durchgeführt oder geplant ist. Alle beschriebenen Erfahrungen konnte ich mir noch vor 1,5 Jahren kaum vorstellen, und genauso wenig habe ich geahnt, wie sehr mir dies als angehender Physiker weiterhelfen würde. Rückblickend kann ich sagen, dass offenbar viel verborgenes Potenzial geweckt wurde. Bestimmt gibt es viele weitere Schüler, die von so einer Förderung enorm profitieren könnten.

Mitmischen statt nur Lernen

Natürlich ist das grundlegende Wissen aus der Schule wichtig, aber keinesfalls kann es schaden, auch einen Blick auf die aktuellen Themen zu werfen. Mit Sicherheit wird dieser Blick auf dem Weg zum Wissenschaftler hilfreich sein, der immerhin ein weiter Weg ist.

Meine Geschichte soll als Beispiel für andere Schüler dienen, die noch nicht wissen, wie sie ihr Interesse an der Physik entfalten können, und ein Lob auf die enorm wichtige Arbeit des Netzwerk Teilchenwelt sein. Vielen Dank!

Wer noch fragen hat, oder wessen Interesse geweckt worden ist, der kann mich über die Detektor-Redaktion kontaktieren oder auf den rechts verlinkten Websites alles nachlesen.