Interview mit einem Nobelpreisträger: Klaus von Klitzing im Gespräch

Am Mittwoch, den 11. März 2015 besuchten wir mit 60 Schülern und sechs Lehrern unseres Robert-Bosch-Gymnasiums Langenau einen Vortrag von Prof. Dr. Klaus von Klitzing im Stadtforum in Bad Saulgau. Gekommen waren noch einige weitere Lehrer mit Ihren Schülern, lokale Politiker und Interessierte aus der Umgebung. Klaus von Klitzing ist Direktor am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart und hat 1985 den Nobelpreis für Physik für die Entdeckung des Quanten-Hall-Effektes erhalten.

Der Vortrag erzählte von seiner Arbeitsweise und natürlich seiner Nobelpreisentdeckung. Er gab uns auch Einblicke in die Nobelpreisübergabe selbst. Nach dem interessanten Vortrag durften wir, zwei Schülerinnen aus der seinerzeitigen zehnten Klasse des  RBG Langenau, den Nobelpreisträger noch persönlich zu einem kurzen Interview sprechen. So lernten wir den berühmten Mann auch noch als Menschen kennen und konnten ihm einige Fragen stellen.

Persönliches über Herrn von Klitzing

Klaus von Klitzing auf der Bühne

In seinem Vortrag erwähnte Herr von Klitzing, dass er anfangs eigentlich Mathematiker werden wollte, und erst später zur Physik überging. Sein Interesse galt jedenfalls schon seit seiner Kindheit der Naturwissenschaft. Als naturbegeisterter Sohn eines Forstmeisters kam er schon in sehr jungen Jahren mit der praktischen Mathematik in Berührung. Im Wald half er seinem Vater, wobei er Bäume vermessen und später die Messungen und andere Werte addieren musste. Mathematik hatte ihm schon immer Spaß gemacht, und so wurde er auch schon früh sehr geschickt im Kopfrechnen.

Das Interesse die Natur zu verstehen, hat sich Herr von Klitzing bis heute behalten. Es gefällt ihm, Fragen zu stellen, welche durch „Querdenken“ helfen sollen, die Welt erklären. Sein Interesse wurde vor allem von seiner Mutter und seinem Physiklehrer gefördert. Sein Lehrer füllte seinen Unterricht mit Leben, sodass seine Schüler Spaß dabei hatten, sich naturwissenschaftlichen Fragen zu nähern. Um die Arbeit gerade solcher Lehrer zu unterstützen und wertzuschätzen, wird seit 2005 jedes Jahr der „Klaus-von-Klitzing-Preis“ für besonders engagierte Lehrer vergeben.

Heutzutage gibt es verschiedene Programme und Organisationen, die junge und interessierte Schüler zusätzlich fördern, wie beispielsweise „Jugend forscht“. Solche Angebote gab es in Herrn von Klitzings Kindheit aber noch nicht – selbst Leistungskurse wurden damals noch nicht angeboten. Trotzdem wurde er Wissenschaftler und bekam sogar in weiser Voraussicht seines Lehrers ein Buch über „Die Naturwissenschaft vom Kleinsten bis zum Größten“ zum Abitur geschenkt.

Später, im Laufe seiner Karriere wurde er von seinem Professor Gottfried Landwehr stark unterstützt, den Herr von Klitzing während seines Studiums in Braunschweig kennenlernte. Dieser spannte „einen Schirm“ über ihm auf, wie er selbst sagte, und sorgte dafür, dass er ungestört forschen konnte. Heute kann Herr von Klitzing diesen „Schirm“ selbst über junge Studierende spannen und ihnen ein ungestörtes Arbeiten ermöglichen.

Im Gespräch mit Anna und Elisa

Seine Entdeckung

Als Herr von Klitzing in der Nacht auf den 5. Februar 1980 die entscheidende Messung zum Quanten-Hall-Effekt gelang, hatte er schon das Gefühl, etwas Bemerkenswertes gefunden zu haben. Dass er aber fünf Jahre später, im Jahr 1985, für seine Entdeckung einen Nobelpreis erhalten würde, lag zu diesem Zeitpunkt noch in weiter Ferne. Der Zusammenhang zwischen seiner Entdeckung und einem möglichen Nobelpreis wurde jedoch schon nach etwa drei Monaten eröffnet, als ihn nach einer seiner Präsentationen ein Wissenschaftler aus Korea ansprach und sagte: „Diese Entdeckung wird einen Nobelpreis erhalten, es sei die größte Entdeckung der letzten zehn Jahre“.

Von da an wuchs die Idee von einem Nobelpreis sehr schnell. Schon an dem Tag, als das Nobelpreiskomitee tagte, um den Preisträger im Jahr 1985 zu bestimmen, war Herr von Klitzings Name in der Bildzeitung zu lesen. Dass sein Name vor der offiziellen Bekanntgabe schon in den Medien diskutiert wurde, war sehr ärgerlich und hätte sogar beinahe zum Ausfallen des Nobelpreises geführt. Doch am Tag der Pressekonferenz war es dann offiziell: Der Nobelpreis für Physik 1985 würde an Klaus von Klitzing für die Entdeckung des quantisierten Hall-Effekts gehen.

Neben den vielen positiven Aspekten eines Nobelpreises, weiß Herr von Klitzing aber auch um dessen negative Auswirkungen, vor allem für die Menschen, die ihn nach großen Hoffnungen doch nicht erhalten. Aus diesem Grund beteiligt sich Herr von Klitzing auch nicht an Spekulationen für nächste Nobelpreisträger, obwohl er jedes Jahr eine Empfehlung abgeben kann.

Herr von Klitzing heute

Auf seine Arbeit hatte die Verleihung des Nobelpreises wenig Auswirkungen. Bis heute ist Herr von Klitzing, trotz seiner 71 Jahre, Direktor am Max-Planck-Institut und widmet sich im Moment der Forschung in der Nanoelektronik. Einer wissenschaftlichen Studie zufolge, die auch er in seinem Vortrag zitierte, leben Nobelpreisträger im Mittel zwei Jahre länger – hier besteht also kein Grund zur Sorge.

Die Begeisterung und die Freude an der Naturwissenschaft und den Fragen dieser Welt hat sich Herr von Klitzing bis heute bewahrt und wird sie sicher sein ganzes Leben lang bewahren.