Ein gebasteltes Modell der historischen Stonehenge-Sätte

Stonehenge – ein Mysterium aus der Vergangenheit

Wie mit viel Herzblut und Improvisation ein Modell eines steinzeitlichen Observatoriums entstehen kann, erzählen Laura Gramann und Tanja Klement. 

Zu Beginn des vergangenen Schuljahres verkündete unser Physiklehrer, dass er gerne ein Projekt zum Thema Astronomie mit unserer Klasse durchführen würde. In kleinen Gruppen wagten wir uns an verschiedene physikalische Phänomene und Instrumente und bauten Exponate für eine Wanderausstellung mit dem Namen „Astronomie beGreifen“. Wir, Laura und Tanja, entschieden uns sofort für den Bau eines Modells von Stonehenge, dem weltberühmten Steinkreis in England. So waren wir doch der Meinung, uns schon ziemlich gut damit auszukennen. Schnell merkten wir jedoch, dass wir nicht den Hauch einer Ahnung hatten.

Recherche und Umsetzung

Um uns auf das Thema Stonehenge gut vorzubereiten, mussten wir uns zunächst gründlich darüber informieren. Schnell hatten wir zwar die ersten interessanten Berichte gefunden, jedoch bestanden diese meistens nur aus sehr allgemeinen Texten. Für den Bau eines Modells brauchten wir aber genauere Angaben über die Maße und Ausrichtung der einzelnen Bestandteile des Steinkreises. Es war langwierig und nervenaufreibend zahllose Texte zu durchsuchen und alle notwendigen Informationen herauszufiltern. Doch mit etwas Hilfe von guten Feen – unseren geschichtlich interessierten Lehrkräften – hatten wir bald genügend Informationen zusammengesammelt.

Zu sehen ist die gesamte Anlage von Stonehenge. Ganz außen befindet sich der Erdwall (braun). Die Steinanlage besteht aus äußeren Sarsensteinen, Bluestones (innerer, kleiner Kreis aus runden Steinen) und dem hufeisenähnlichen Gebilde in der Mitte.
Die gesamte Stonehenge-Anlage als Modell

Im nächsten Schritt zeichneten wir Pläne und legten die Maßstäbe für den ersten Prototypen fest. Bei der Materialauswahl und der Umsetzung war dann unsere Kreativität und spontanes Handeln gefragt. Denn unsere finanziellen Mittel waren stark begrenzt, und so bauten wir aus Holz und diversen Kleinteilen teilweise abenteuerliche Konstruktionen. Nach zahlreichen Arbeitsstunden und dank der richtigen Farbe, sah unser Stonehenge-Modell schon professionell aus.

Als schließlich alle Exponate fertiggestellt waren, kam auch schon die nächste Herausforderung auf uns zu: Für die Ausstellung wollten wir das Modell noch mit Texttafeln und interessanten Hinweisen versehen. Also recherchierten wir weiter, bis wir alle Informationen über Stonehenge zusammen hatten, die wir spannend fanden.

Wir stellten fest, dass Stonehenge, das so viel heißt wie „hängende Steine“, weder der älteste, noch der größte der etwa siebenhundert Steinkreise auf den Britischen Inseln ist. Trotzdem ist dieser Steinkreis, der sich bei Amesbury in Wiltshire befindet, wohl der berühmteste von allen. Schon vor etwa fünftausend Jahren entstand genau dort bereits eine Anlage, die aus einem Erdwall und Holzstäben gebaut war, und die heute als „Stonehenge 1“ bezeichnet wird. Ihr Nachfolger, „Stonehenge 2“, unterschied sich von seinem Vorgänger dadurch, dass die Holzstäbe durch sogenannte Bluestones – zwei bis vier Tonnen schwere, bläuliche Steine – ersetzt wurden. Weiterhin entstand die „Avenue“, eine Art Weg, der von der Anlage durch einen Wall nach außen führt. Später wurden die Bluestones durch größere Sarsensteine – Blöcke aus Sandstein, die härter sind als Granit – ersetzt. Heute besteht Stonehenge aus einem äußeren Sarsenkreis, einem inneren Bluestonekreis und einem hufeisenförmigen Gebilde in der Mitte.

Bei der Winter- und Sommersonnenwende scheint das Sonnenlicht bei Sonnenauf- und Untergang entlang einer Achse, die von der Avenue – einem durch Steine markierten Weg – und der Kreismitte verläuft.
Stonehenge als steinzeitliches Observatorium

Die Bedeutung von Stonehenge

Wissenschaftler beschäftigen sich schon seit Jahrhunderten mit dem mysteriösen Steinkreis. Die ursprüngliche Funktion des Gebildes können sie allerdings noch immer nicht ganz erklären. Jedoch konnten sie bereits nachweisen, dass die Sternenkonstellation des Nachthimmels beim Bau von Stonehenge berücksichtigt wurde. Auch die Veränderung des Sonneneinfallswinkel im Laufe des Jahres scheint eine Rolle gespielt zu haben. Denn die Avenue und die Kreismitte bilden eine Achse, die auf den Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende und den Sonnenaufgang  zur Sommersonnenwende ausgerichtet ist. Stonehenge könnte also eine Art steinzeitliches Observatorium gewesen sein. Zudem vermutet man, dass die Anlage auch als Grabstätte verwendet wurde. Ob das jedoch von Anfang an so vorgesehen war, ist unklar.

Außerdem konnten Wissenschaftler nach zahlreichen Altersbestimmungen, wie zum Beispiel mit der C-14-Methode (siehe Artikel: Wie funktioniert die C-14-Methode?) die wohl bekannteste Theorie endgültig widerlegen: Entgegen der landläufigen Meinung hatten Druiden und Kelten nichts mit der Erbauung von Stonehenge zu tun. Die erste Bauphase von Stonehenge begann bereits in der Jungsteinzeit (vor etwa fünftausend Jahren), während die Kelten der Eisenzeit (vor etwa zweitausend Jahren) zuzuordnen sind. Stonehenge zeigte also wahrscheinlich schon Verfallserscheinungen, als die Kelten auf das beeindruckende Bauwerk stießen.

Stonehenge heute

Seit 1918 ist Stonehenge in englischem Staatsbesitz. Mittlerweile hat es ein eigenes Besucherzentrum und wurde 1986 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Auch Nachahmer haben sich gefunden. So gibt es nun in Maryhill, Washington in den USA eine maßstabsgetreue Rekonstruktion von Stonehenge. Und neuerdings hat auch die Wanderausstellung „Astronomie beGreifen“ ihr eigenes Modell - übrigens ebenfalls maßstabsgetreu.