Das Extremely-Large-Telescope (ELT) - Europas gigantischer Griff nach den Sternen

Ab 2017 soll das Extremely-Large-Telescope ELT mit seinem 42-Meter-Spiegel für Europa ins All blicken. Die technische Herausforderung und der Griff nach den Sternen verspricht gestochen scharfe Bilder sogar von Extrasolaren Planeten.

Zoom für Bild Modell des ELT.
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Europäische Astronomen planen das größte Spiegelteleskop der Welt, das Extrem-Large-Teleskope (ELT): Der Spiegel aus 906 Segmenten wird 42 Meter Durchmesser haben. Die gesamte Struktur ist etwa 80 Meter hoch.

"Das neue Teleskop hat 42 Meter Durchmesser - wir machen damit den größten technologischen Sprung in der Astronomiegeschichte, seit Galileo erstmals ein Teleskop an den Himmel gerichtet hat," erklärt Jason Spyromilio nicht ohne stolz. Der Projektleiter bei der Europäischen Südsternwarte ESO plant mit seinem Team ein Teleskop, das mehr als viermal größer als die besten heutigen Teleskope. Die vier Teleskope des Very Large Telescope (VLT) in Chile haben je 8,2 Meter Durchmesser, die beiden Keck-Teleskope in Hawaii je 10 Meter.

Zoom für Bild Galaxienhaufen aufgenommen mit Hubble.
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Ein ferner Galaxienhaufen im All aufgenommen mit dem Hubble-Weltraumteleskop. Selbst die nächsten Galaxien erscheinen auf dieser Aufnahme nur recht klein und ohne viele Details.

Mitte Dezember 2006 hat die ESO 57 Millionen Euro für technische Studien bewilligt, um die technische Machbarkeit des neuen Instruments sicherzustellen. ESO, ein Verbund von Astronomen aus elf europäischen Staaten, darunter auch Deutschland, will das Teleskop innerhalb von zehn Jahren bauen. Die Kosten für Entwicklung, Bau und Betrieb schätzen Experten auf gut 800 Millionen Euro. Die Konkurrenz in den USA plant derzeit ein 30-Meter-Teleskop. Sollten alle technischen Hürden zu meistern sein, bietet sich den Astronomen ein einmalig scharfer Blick in den Kosmos. "Wir werden Dinge sehen, die bisher im Unscharfen verschwimmen. Etwa junge Sterne und die Planeten, die sie umkreisen," erklärt Mark McCaughrean von der Universität Exeter. Die Astronomen hoffen, endlich das Rätsel zu lösen, wie Sterne und Planeten entstehen - und damit unsere eigene kosmische Vergangenheit zu verstehen.

Zoom für Bild Detailreiches Foto von M83.
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Das neue 42-Meter-Teleskop ELT wird viele der heute recht klein erscheinenden Galaxien der Hubble-Aufnahmen in atemberaubenden Details zeigen können. Etwa so wie auf dieser Aufnahme.

Riesenteleskop und James Webb: Doppel-Pass ins All

Das Teleskop ist besonders im Infrarotbereich empfindlich, es registriert also die Wärmestrahlung der himmlischen Objekte und dringt selbst durch dicke Staubwolken hindurch. Ebenso leuchten die frühesten Galaxien im Kosmos, die nur einige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden sind, im Infrarotbereich. Daher wird auch das James Webb Space Telescope von NASA und ESA, der Nachfolger des Hubble-Weltraumteleskops, in diesem Bereich arbeiten. "Das nur sechs Meter große Webb-Teleskop und unser 42-Meter-Teleskop werden sich ideal ergänzen," betont Mark McCaughrean. Da der Hubble-Nachfolger etwa im Jahr 2013 starten soll, stehen Europas Astronomen unter Zeitdruck. Nur wenn das neue Riesenteleskop wirklich ab 2017 ins All blickt, können beide Teleskope einige Jahre gemeinsam das Universum erforschen. Das Teleskop im Weltraum ist empfindlicher, dafür zeigt das viel größere Teleskop am Boden eine immense Fülle an Details. Wie sehr sich beide Teleskope in der Konstruktion unterscheiden, macht ein Vergleich der Spiegelgrößen deutlich: Während der Hauptspiegel des James Webb Space Telescope nur gut sechs Meter Durchmesser hat, entspricht diese Größe dem Sekundärspiegel des 42-Meter-Teleskops. Auch dieser Spiegel wird aus vielen Einzelteilen bestehen.

Zoom für Bild Gasplanet im Umlauf um einen Braunen Zwergstern.
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Das neue Riesenteleskop soll nahe Sterne nach gerade entstehenden Planetensystemen absuchen. Dieses Bild zeigt einen großen Gasplaneten im Umlauf um einen Braunen Zwergstern, beobachtet mit dem Very Large Telescope in Chile.

Zeigt das Teleskop, wie Sterne entstehen?

Das Webb-Teleskop und Europas neues 42-Meter-Teleskop könnten zum wissenschaftlichen Traumpaar werden - und dabei manch ganz fundamentales Problem der Astronomie angehen, so hofft Mark McCaughrean: "Es gibt Sterne im All, die sind 100mal schwerer als unsere Sonne, andere haben nur einige Hundertstel Sonnenmasse. Wir verstehen nicht, warum Sterne so unterschiedlich sind." Zwar dominieren die wenigen Riesensterne unseren Kosmos: Sie explodieren als Supernova und verteilen schnell schwere Elemente im All, aus denen wir bestehen. Dagegen sind die kleinen, leuchtschwachen Sterne extrem zahlreich. Ihre Population geht nach unten fließend über in den Massenbereich der Planeten. "Mit dem neuen scharfsichtigen Teleskop verstehen wir vielleicht endlich die fundamentalen Prozesse, die die Riesensterne mit den Supernovae ebenso steuern wie die kleinen Sterne und Planeten, auf denen wir leben."

Der Standort ist noch unklar

Allerdings dürften vor allem die völlig unerwarteten Entdeckungen für Überraschungen sorgen. Das 42-Meter-Teleskop ist um so viel größer als alle bisherigen Teleskope, dass das Instrument mit Sicherheit ganz neue, bis heute völlig unvorstellbare Objekte und Phänomene im Kosmos zeigt.

So groß die Erwartungen an das neue Teleskop auch sind, die Astronomen müssen ihren Tatendrang noch etwas zügeln, mahnt Projektleiter Jason Spyromilio: "Wir hoffen, dass wir die ersten Beobachtungen etwa im Jahr 2017 machen." Noch ist unklar, wo das Riesenteleskop, das noch keinen richtigen Namen hat, gebaut wird. Derzeit läuft eine weltweite Studie, um einen geeigneten Standort auszuwählen. Wie bisher bietet sich Chile an, aber auch die Kanarischen Inseln oder andere Orte sind möglich. Dass die Frage des Standorts zunächst offen bleibt, hat sicher auch politische Gründe. Man will kein Mitgliedsland verschrecken. 2008 soll dann die Entscheidung über den Standort fallen. Projektleiter Spyromilio stellt klar, worauf es ihm ankommt: "Wir suchen den besten Platz für das beste Teleskop."

Dokumentinfo

  • erstellt: 22.01.2007

  • Autor: Dirk Lorenzen

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