(Beginn des Inhalts [zu den inhaltlichen Zusatzinformationen Taste Z, zum Servicemenü Taste S, zum Menü Taste M])
Schwarze Löcher - im Weltall und im Mikrokosmos
Schwarze Löcher sind Objekte, deren Schwerefeld die Raumzeit so stark krümmt, dass noch nicht einmal Licht aus ihnen entweichen kann. Wie groß schwarze Löcher sind, gibt der Schwarzschild-Radius an; dabei beschränkt die Quantenmechanik ihre Größe nach unten. Eine Erklärung mit etwas Formalismus.
Schwarze Löcher sind Objekte, deren Gravitationsfeld so stark ist, dass weder Materie noch Licht oder Information aus dieser Region nach außen gelangen können. Für die Astronomen gehören sie zum Alltag - Schwarze Löcher sind Endstadien großer Sterne. Zudem vermuten die Forscher sehr massereiche Schwarze Löcher im Zentrum praktisch jeder Galaxie (siehe wdp-Artikel "Wie genau entstehen Schwarze Löcher?" und "Die Masse macht's! Wie sich Sterne entwickeln").
Doch Schwarze Löcher müssen nicht riesige kosmische Gebilde sein. Unter bestimmten Bedingungen könnten an modernen Teilchenbeschleunigern möglicherweise Schwarze Löcher im Miniaturformat erzeugt werden - eine Entdeckung, die unser Weltbild revolutionieren würde (siehe wdp-Artikel "Schwarze Löcher von Menschenhand gemacht" und "Schwarze Löcher am LHC?").
Die Existenz von Schwarzen Löchern wird von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie vorhergesagt. Die Größe eines kugelförmigen, nichtrotierenden Schwarzen Lochs wird durch den so genannten Schwarzschild-Radius beschrieben. Wer ausrechnen will, ob winzig kleine Schwarze Löcher an Teilchenbeschleunigern erzeugt werden könnten, muss allerdings die Quantenmechanik zurate ziehen.
Schwarzschild-Radius
Ein Schwarzes Loch entsteht, wenn die Masse eines Objekts so groß wird, dass selbst Licht aufgrund der enormen Anziehungskraft nicht mehr entweichen kann: wenn also die Fluchtgeschwindigkeit, die notwendig wäre, um die Anziehungskraft des Objekts zu überwinden, größer als die Lichtgeschwindigkeit wird - was laut spezieller Relativitätstheorie nicht möglich ist. Hierbei kommt es allerdings nicht allein auf die Masse des Objekts an, sondern auch darauf, innerhalb welchen Volumens sich diese Masse befindet, d.h. wie dicht die Masse gepackt ist.
Das Volumen, das ein kugelförmiges Schwarzes Loch mit einer bestimmten Masse hat, ist durch den so genannten Schwarzschild-Radius RS gegeben; dieser ist direkt proportional zur Masse des Schwarzen Lochs. Der Schwarzschild-Radius ergibt sich klassisch durch Gleichsetzen der maximalen kinetischen Energie (also bei Lichtgeschwindigkeit c) und der aus dem Gravitationsgesetz folgenden potentiellen Energie einer im Abstand RS befindlichen Testmasse m:
(1/2)mc2 = GmM/RS
d.h.: RS = 2GM/c2 = 2Mh/(MP2c).
Hierbei wird MP = √(hc/G) als Planck-Masse bezeichnet. Sie gibt jenen Massen- bzw. Energiebereich an, in dem die Schwerkraft ebenso stark wird wie die anderen drei fundamentalen Kräfte, d.h. die elektromagnetische, schwache und starke Kraft.
Je leichter bzw. kleiner ein Schwarzes Loch ist, desto höher ist demnach die erforderliche Dichte. Für ein Schwarzes Loch mit der Masse unserer Sonne liegt dieser Wert beispielsweise bei 1019 kg/m3 - einer Dichte, die höher ist als die eines Atomkerns.
Heisenbergsche Unschärferelation für Schwarze Löcher
Kann ein Schwarzes Loch beliebig klein werden? Nein, denn für kleine Schwarze Löcher gilt ebenso wie für Elementarteilchen die Heisenbergsche Unschärferelation (siehe wdp-Artikel "Die Heisenberg'sche Unschärferelation"). Aus dieser folgt, dass die Masse eines Schwarzen Lochs im Rahmen der herkömmlichen Gravitationstheorie größer sein muss als die Planck-Masse von 1019 GeV/c2 (siehe Kasten). Denn genauso wie für Elementarteilchen, gilt aufgrund der Heisenberg'schen Unschärferelation für kleine Schwarze Löcher:
Δp · Δx > h => Δp · RS > 2πh => Δp > 2πh/RS
=> Δp > MP2c/M => Δp · c > Mc2(MP/M)2
wobei RS = 2Mh/(MP2c) benutzt wurde. Dabei ist Δx = RS die Ortsunschärfe. Für M < MP wäre die Impulsunschärfe (Δp · c) dann aber größer als die Gesamtenergie Mc2 des Schwarzen Lochs.
Ein Schwarzes Loch kann also im klassischen Sinn nur existieren, wenn seine Masse größer als die Planck-Masse ist. Für kleinere Massen würde die Dichte so groß und damit die Gravitation so stark, dass Quantenfluktuationen das Gefüge der Raumzeit aufbrechen würden. Unterhalb der Planck-Masse können kleine Schwarze Löcher - wenn überhaupt - also nur als kurzzeitige Vakuumfluktuationen existieren (siehe Kasten und wdp-Artikel "Quantenfeldtheorie - Was ist das?"). Das kleinstmögliche Schwarze Loch hat demnach eine Masse von 1019 GeV/c2 und eine Ausdehnung (Schwarzschild-Radius) von 10-35 m.
Masseneinheiten in der Teilchenphysik
Das Elektronenvolt (Einheitenzeichen eV) ist eine Einheit der Energie, die in Atom-, Kern- und Teilchenphysik häufig benutzt wird. Ein Elektronenvolt ist die Energie, die ein Teilchen mit der Ladung 1 e (Elementarladung) erhält, wenn es eine Spannung von 1 V durchläuft. 1 eV entspricht 1,602 176 462(63) · 10-19 J.
In der Teilchenphysik werden sowohl die Ruhemasse von Elementarteilchen als auch die Energie, auf die sie in Beschleunigern gebracht werden, in (Vielfachen von) Elektronenvolt angegeben. Die Umrechnung geschieht mit Hilfe der Gleichung
E = mc2
wobei E für die Energie, m für die Masse und c für die Vakuumlichtgeschwindigkeit steht.
Danach entspricht 1 eV/c² ungefähr 1,8 · 10-36 kg und 1 GeV (Gigaelektronenvolt) ungefähr der Ruheenergie eines Protons (genauer: 0,938 GeV). Die Planck-Masse von 1019 GeV/c2 entspricht also ungefähr der Masse von 1019 Protonen - in unserer makroskopischen Welt sind das allerdings nur winzige 18 µg!

Quantenfluktuationen
In der Quantenfeldtheorie erscheint das Vakuum nicht als "leeres Nichts", sondern als dynamisches Medium, in dem ständig Teilchen-Antiteilchen-Paare entstehen und wieder verschwinden. Diese Teilchen "borgen" sich gemäß der Heisenberg'schen Unschärferelation die Energie zu ihrer Entstehung aus dem Vakuum und vernichten sich gegenseitig in Sekundenbruchteilen wieder, womit sie dem Vakuum die "geborgte" Energie wieder zurückgeben. Weil diese Teilchen nicht permanent existieren, nennt man sie virtuelle Teilchen, Vakuumfluktuation oder Quantenfluktuation.

(Beginn der inhaltlichen Zusatzinformationen [zum Inhalt Taste I, zum Servicemenü Taste S, zum Menü Taste M])
Mehr dazu in WDP
-
Artikel

-
Wie genau entstehen schwarze Löcher? Gravitationswellen zeigen es!
(URL: http://www.weltderphysik.de/de/1193.php)

-
Die Masse macht's! Wie sich Sterne entwickeln
(URL: http://www.weltderphysik.de/de/1141.php)

-
Schwarze Löcher von Menschenhand gemacht
(URL: http://www.weltderphysik.de/de/4715.php)

-
Schwarze Löcher am LHC?
(URL: http://www.weltderphysik.de/de/4717.php)

-
Die Heisenberg'sche Unschärferelation
(URL: http://www.weltderphysik.de/de/4687.php)

-
Quantenfeldtheorie - was ist das?
(URL: http://www.weltderphysik.de/de/4674.php)

-
Mehr dazu im Web
-
Links

-
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
Hans-Christian Schultz-Coulon
Universität Heidelberg (URL: http://www.kip.uni-heidelberg.de/~coulon/)

-
Hans-Christian Schultz-Coulon
-
Der Autor
Hans-Christian Schultz-Coulon ist Professor für Experimentelle Teilchenphysik und Detektorentwicklung an der Universität Heidelberg. Sein Arbeitsgebiet sind die Experimente H1 und ATLAS.
(Ende des Menüs)
Dieser Webauftritt "Welt der Physik" wird herausgegeben von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
Die auf dieser Seite enthaltenen Bilder können Sie zusätzlich über die Großansicht ausdrucken.





