04.09.2009 | Das Weltall

Weißer Zwerg "kurz" vor der Explosion

Zwergstern stiehlt seinem Begleiter Masse - und wird in wenigen Millionen Jahren als Supernova hell wie der Vollmond am Himmel aufleuchten

Wißer Zwerg - © Francesco Mereghetti,NASA, ESA, T.M. Brown (STScI)
Zoom für Bild Weißer Zwerg
Bildbeschreibung:

Diese Illustration zeigt einen Weißen Zwerg mit seinem kosmischen Begleiter HD49798

Mailand (Italien) - Röntgenstrahlung hat den Stern verraten: Mithilfe des europäischen Röntgensatelliten XMM-Newton ist ein Team italienischer Forscher dem Geheimnis des Sterns RXJ0648.0–4418 auf die Spur gekommen. Den Astronomen gelang es auch, die Masse des Weißen Zwergsterns zu bestimmen. Mit 1,2 Sonnenmassen liegt sie knapp unter der Grenze für diese Himmelsobjekte - bei einer Masse von 1,4 Sonnenmassen explodieren sie als Supernova. Das könnte bereits in wenigen Millionen Jahren geschehen, so die Wissenschaftler im Fachblatt "Science", und für ein spektakuläres Ereignis am irdischen Himmel sorgen.

"Unsere präzise Bestimmung der Masse ist wichtig, um die Vergangenheit dieses Objekts zu rekonstruieren und seine Zukunft vorauszusagen", erklärt Sandro Mereghetti vom Istituto Nazionale di Astrofisica in Mailand, ein an den Beobachtungen beteiligter Forscher. Weiße Zwerge sind ausgebrannte Sterne mit typischerweise 0,6 Sonnenmassen. Doch RXJ0648.0–4418 besitzt einen aufgeblähten, alten Stern als Begleiter, dem er ständig Materie entreißt. Dadurch ist die Masse des Zwergsterns bereits auf etwa das Doppelte angewachsen.

Bei einer Masse von 1,4 Sonnenmassen kommt es zu einer Supernova-Explosion: Ein Teil der Materie des Zwergsterns wird ins Weltall ausgeworfen, aus dem Rest formt sich ein kompakter Neutronenstern. Supernovae dieses Typs sind in der Kosmologie von großer Bedeutung: Sie dienen den Astronomen als Standard-Lichtquellen, mit denen sie das Universum vermessen können. Eine genaue Kenntnis der physikalischen Abläufe der Sternexplosionen ist deshalb wichtig für die Forscher.

RXJ0648.0–4418 ist der erste Masse aufsaugende Weiße Zwerg in diesem Typ von Doppelsternen, bei dem eine so genaue Massenbestimmung möglich ist. "Er könnte deshalb zu einer Art Rosetta-Stein für die Physik Weißer Zwerge in Doppelsystemen werden", so Mereghetti. Die Berechnungen der Forscher zeigen, dass der Zwergstern bei seiner Explosion am irdischen Himmel etwa so hell wie der Vollmond aufleuchten und damit sogar am Tageshimmel sichtbar sein wird.

 

Dokumentinfo

  • Quelle: Wissenschaft aktuell

  • erstellt: 04.09.2009

  • aktualisiert: 04.09.2009

  • von: Rainer Kayser

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       (URL: http://www.weltderphysik.de/de/3812.php)

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    • Originalveröffentlichung

      "An Ultramassive, Fast-Spinning White Dwarf in a Peculiar Binary System", S. Mereghetti et al.; Science vol.325, p.1222 (2009) (URL: http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/325/5945/1222)

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