(Beginn des Inhalts [zu den inhaltlichen Zusatzinformationen Taste Z, zum Servicemenü Taste S, zum Menü Taste M])
Das blaue Wunder
Manchmal gehen Revolutionen ganz langsam vor sich. Erst erstrahlten Leuchtdioden in rot und grün. Jahrzehnte später sollte die Erfindung der blauen und weißen Leuchtdioden ein neues Zeitalter in der Lichttechnik einläuten.
Manchmal gehen Revolutionen ganz langsam vor sich. Die Erfindung der blauen Leuchtdiode jedenfalls dauerte Jahrzehnte. Man kannte LEDs (Light Emitting Diodes) in den Farben rot, gelb und später auch grün, die man für Anzeigen von Computern und Instrumenten verwendet, oder für Displays, etwa in Sportarenen oder bei Leuchtreklamen. Was fehlte, war Blau, denn aus Rot, Grün und Blau lassen sich alle Farben darstellen. Jeder Fernsehbildschirm tut es.
Leuchtdioden bestehen aus Halbleitern, die normalerweise elektrischen Strom nicht leiten können. Wenn man sie je-doch mit bestimmten Stoffen versetzt ("dotiert"), kann man ihnen beispielsweise einen Überschuss an Elektronen mitgeben. Andere Dotierungen können einen Mangel an Elektronen erzeugen, so genannte Löcher. Kombiniert man nun zwei unterschiedlich dotierte Arten von Halbleitern als dünne Schichten und legt eine geringe Spannung an, wandern Elektronen von einer Schicht in die andere und fallen in die Löcher. Dabei geben sie ihre Energie in Form von Licht ab.
Laserdioden können in sehr kleinen Abmessungen gebaut werden. Sie finden zum Beispiel in CD-Spielern Verwendung. (Quelle: Fraunhofer Gesellschaft)
Um eine blaue Leuchtdiode zu bauen, muss man eigentlich nur ein Material finden, dessen Elektronen blaues Licht abgeben, wenn sie in die Löcher fallen. Eine schwierige Aufgabe, denn blaues Licht ist energiereicher als rotes, gelbes und grünes. Rund um die Welt suchten Forscher nach einem solchen Material. In den sechziger Jahren schien Gallium-nitrid ein geeigneter Kandidat zu sein, doch letztlich gelang es nicht, ein geeignetes Trägermaterial für die benötigten dünnen Schichten zu entwickeln. Man gab schließlich die Versuche auf und bevorzugte nun Zinkselenid, das verheißungsvoller erschien. Erst in den achtziger Jahren wurde das Problem des Trägermaterials wenigstens prinzipiell gelöst - doch auch nach zwanzig Jahren intensivster Forschung lag der Traum einer universell einsetzbaren blauen Leuchtdiode in weiter Ferne.
Der Durchbruch kam wie im Märchen: Shuji Nakamura, Angestellter einer mittelständischen Firma im südlichen Japan, war fasziniert von der Suche nach der blauen Leuchtdiode. Er experimentierte ganz gegen den allgemeinen Trend mit dem Stoff, der in den sechziger Jahren "en vogue" war - und hatte Erfolg. Später erzählte er: "Ich habe mir Galliumnitrid eigentlich nur deshalb ausgesucht, weil sonst kaum jemand damit arbeitete." Im Oktober 1996 war sein System so weit optimiert, dass Nakamura seine blaue LED einige Sekunden lang zum Leuchten brachte. Nur zwei Monate später strahlte die Diode schon 35 Stunden lang. Nun setzte international ein "run" auf die blaue Leuchtdiode ein. Forscher auf der ganzen Welt experimentierten mit dem neuen, aber eigentlich alten Material. Auch in Deutschland schimmerte es bald blau in den Labors der Halbleiterphysiker.
Der blaue Halbleiter-Laser unter dem Mikroskop. Er wird in Zukunft der Informationstechnologie neue Möglichkeiten eröffnen. (Quelle: Osram OS)
Und aus den blauen Leuchtdioden lassen sich endlich auch blaue Halbleiter-Laser bauen, ebenfalls ein alter Traum der Forscher. Diese blauen Laserdioden werden vielfältige Anwendungen finden: Ihre kürzere Wellenlänge ermöglicht zum Beispiel eine feinere Abtastung der CD; die Pits, mit denen die Informationen gespeichert werden, lassen sich auf der CD dann viermal so dicht packen wie bei infrarotem Licht. Dies bedeutet, dass mit blauen Lasern ein ganzer Kinofilm im hochauflösenden Fernsehformat und in Hifi-Qualität auf einer kleinen Kunststoffscheibe Platz fände. Damit könnten digitale Videodiscs (DVD) in Zukunft die Magnetband-Videokassetten ersetzen. Und zusammen mit roten und grünen Halbleiterlasern kann die blaue Laserdiode bewegte Bilder in jeder Farbe gestochen scharf auf Bildschirme zaubern. Damit wird schließlich auch dem Traum eines deutschen Erfinders zum Durchbruch verholfen: Christian Deter, Erfinder des Laser-TV, musste vor wenigen Jahren auf Gaslaser mit einem Energieverbrauch von 20 bis 30 Kilowatt und 60 Liter Kühlwasser pro Minute zurückgreifen, um das Prinzip des laserbasierten Fernsehschirms erstmals zu demonstrieren. Mit roten, grünen und blauen Laserdioden reduziert sich der Fernseher der Zukunft auf ein zigarrenschachtelgroßes Gerät, mit dessen Hilfe das Bild an die Wohnzimmerwand oder - bei Bedarf - auch auf die Anzeigentafel eines Stadions projiziert werden kann.
(Beginn der inhaltlichen Zusatzinformationen [zum Inhalt Taste I, zum Servicemenü Taste S, zum Menü Taste M])
Dokumentinfo
-
erstellt: 13.03.2002
-
aktualisiert: 04.11.2003
-
Autor: Brigitte Röthlein
Mehr dazu im Web
-
Links

-
Dieser externe Link öffnet ein neues Fenster:
Brigitte Röthlein
(URL: http://www.roethlein-muenchen.de/)

-
Brigitte Röthlein
-
Die Autorin
Brigitte Röthlein promovierte nach ihrem Physikstudium in Zeitungswissenschaft, Pädagogik und Geschichte der Naturwissenschaften. Seit 1973 arbeitet sie als freie Wissenschaftsjournalistin mit dem Hauptinteresse Grundlagenforschung.
(Ende des Menüs)
Tag der Energie
Countdown
Dieser Webauftritt "Welt der Physik" wird herausgegeben von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
Die auf dieser Seite enthaltenen Bilder können Sie zusätzlich über die Großansicht ausdrucken.







